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Markus Jodl

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Nahbereichsausbau - was das ist und wo wir stehen

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Im Nahbereichsausbau versorgt die Deutschen Telekom sechs Millionen deutsche Haushalte mit schnellem Internet. Wir erklären die Hintergründe.

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Hier wird ein Nahbereich ausgebaut.

Zugegeben, allzu sexy klingt das Wort nicht. Und rätselhaft ist es obendrein. Nahbereichsausbau. Was steckt dahinter? Mehr Busse und Bahnen für deutsche Städte? Oder eine Aktion à la "Unser Dorf soll schöner werden"? Könnte beides sein, stimmt aber nicht. Denn der Nahbereichsausbau ist eine Maßnahme der Deutschen Telekom, die derzeit läuft. Und deren Ergebnis ist durchaus sexy: Rund sechs Millionen deutsche Haushalte können damit schnellere Internetanschlüsse mit bis zu 250 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bekommen - in vielen Fällen eine Temposteigerung um das Fünffache. Es lohnt sich also, den ominösen Nahbereich auszubauen. Und wir erklären, um was es genau geht.

Was ist eigentlich ein Nahbereich?

Die Telekom betreibt in Deutschland rund 7.500 Betriebsstellen. Das sind Knotenpunkte im Kommunikationsnetz, die früher als Vermittlungsstellen bekannt waren. Das Fräulein vom Amt gibt es dort nicht mehr. Denn heute sind die Betriebsstellen Hightech-Standorte, über die der gesamte Sprach- und Datenverkehr der Telekom-Kunden läuft - sowohl im Mobilfunk als auch im Festnetz.

An die Betriebsstellen sind die Kabelverzweiger und Multifunktionsgehäuse (MFG) angeschlossen. Das sind die grauen Kästen, von denen aus die Telekom ihre Festnetz-Kunden versorgt. Und nun kommt der Nahbereich ins Spiel.

Der Nahbereichsausbau im Überblick

Der Nahbereichsausbau im Überblick

Jürgen Hardt, Projektleiter für den Nahbereichsausbau der Telekom, erklärt, wie "nah" der Nahbereich ist: "Der Abstand zwischen der Betriebsstelle und dem Kabelverzweiger darf nicht länger als 550 Meter sein." Alle grauen Kästen, die innerhalb einer Kabellänge von 550 Metern von der Betriebsstelle entfernt sind, gehören also zum Nahbereich - und damit auch die darüber angeschlossenen sechs Millionen Haushalte. Und weil es bei der Telekom rund 7.500 Betriebsstellen gibt, gibt es auch rund 7.500 Nahbereiche.

Warum muss der Nahbereich ausgebaut werden?

Wer besonders nah an einer Vermittlungsstelle der Telekom wohnt, hat besonders schnelles Internet - könnte man meinen. Stimmt aber nicht, wie Jürgen Hardt verrät: "Diese Nahbereiche durften in der Vergangenheit nicht mit Breitband ausgebaut werden." Hier kam deshalb in aller Regel Standard-VDSL mit "nur" 50 Mbit/s zum Einsatz.

Diese wettbewerbsrechtliche Vorgabe hat die Bundesnetzagentur Mitte 2016 aufgehoben. Und seitdem ist die Telekom nicht nur berechtigt, sondern sogar verpflichtet, den Nahbereich auszubauen. Das so genannte Super Vectoring, eine besonders schnelle Glasfasertechnik, ermöglicht dabei Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 250 Mbit/s.

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Jürgen Hardt, Projektleiter für den Nahbereichsausbau der Telekom erklärt am Whiteboard den Nahbereich.

Wie läuft der Nahbereichsausbau ab?

Die Telekom gliedert den Ausbau in drei sogenannte Tranchen. Der erste dieser Teilabschnitte mit rund 2.200 Nahbereichen vor allem im ländlichen Raum ist seit Februar 2019 zu 99 Prozent abgeschlossen. Nur noch einige Bereiche mit besonderen Anforderungen, zum Beispiel mit der Unterquerung von Bahntrassen, oder mit Verspätungen bei der Freigabe durch die Kommune, stehen noch aus.

Tranche 2 des Nahbereichsausbaus will die Telekom im November 2019 abschließen, Tranche 3 dann im ersten Quartal 2020. Die versorgten Orte und die Zahl der angeschlossenen Kabelverzweiger werden dabei immer größer. "In Tranche 1 waren es pro Nahbereich nur zwei bis vier Kabelverzweiger", verrät Projektleiter Hardt, "in Tranche 3 haben wir aber zum Beispiel in München einen Nahbereich mit 44 Verzweigern".

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Die Zahl der Kunden, die von diesem Ausbau profitieren, wird also immer höher. Insgesamt verlegt die Telekom dabei knapp 6.000 Kilometer Glasfaser und stellt über 30.000 neue Multifunktionsgehäuse auf.

Wann bekommen die Kunden das schnelle Internet?

Wer in der Nähe seines Hauses oder seiner Wohnung mitbekommt, dass die Telekom einen kleinen alten Kabelverzweiger durch ein modernes Multifunktionsgehäuse ersetzt - der hofft natürlich, dass das schnelle Internet jetzt praktisch schon vor der Tür steht.

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Hier wird ein Multifunktionsgehäuse gesetzt - das ist nur einer der Schritte beim Nahbereichsausbau.

Ganz so schnell geht es aber leider nicht. Denn vom Aufstellen des Kastens bis zum endgültigen Anschluss der Kunden kann es einige Monate und manchmal sogar ein ganzes Jahr dauern. Jürgen Hardt erklärt, warum das so ist: "Wenn die Kunden sehen, dass ein Multifunktionsgehäuse aufgestellt wird, ist das erstmal ein gutes Zeichen. Denn das heißt, dass wir kommen. Nach dem Aufstellen ist der Kasten aber erst einmal leer."

Eine Tiefbaufirma muss dann ein Glasfaserkabel von der Betriebsstelle zum MFG verlegen. Und der Kasten muss ans Stromnetz angeschlossen werden, denn die alten, passiven Kabelverzweiger brauchten gar keinen Strom. Schlussendlich muss die Technik installiert und getestet werden. Und ein Nahbereich wird immer erst dann angeschlossen, wenn darin alle neuen Multifunktionsgehäuse betriebsbereit sind. Das alles braucht seine Zeit. Doch das Warten lohnt sich.

Was sind die größten Herausforderungen beim Nahbereichsausbau?

Die befürchteten Probleme mit Datenbanksystemen und vielen anderen kleinen Details haben sich laut Projektleiter Hardt nicht bewahrheitet, "alles funktioniert perfekt".

Schwierigkeiten resultieren bisweilen aus ganz anderen Gründen. So müssen in einem Nahbereich, der umgestellt wird, restlos alle Kunden die moderne internetbasierte IP-Technik zum Surfen und Telefonieren verwenden. Und das "alle" bedeutet tatsächlich "alle". Wenn beispielsweise ein Geschäftskunde seine ISDN-Infrastruktur nicht schnell genug umstellen kann, so Hardt, "dann müssen wir eben manchmal darauf warten".

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Fehlende Tiefbaukapazität bremst jeden Ausbau.

Oft ist auch der Tiefbau für das Verlegen der Leitungen oder fürs Setzen des Sockels für die Gehäuse das Nadelöhr, weiß Jürgen Hardt aus leidiger Erfahrung: "In Deutschland sieht es momentan so aus, dass man nur noch sehr schwierig an Tiefbauunternehmen herankommt." Da geht es der Telekom nicht anders als anderen Bauherren, die auf Anschlüsse für ihr neues Einfamilienhaus warten. Die Unternehmen können sich längst die interessantesten Aufträge herauspicken. "Und was wir hier machen", so Hardt, "eine Glasfaserleitung in eine Kanalanlage hineinzupusten, ist für einen Tiefbauer nicht superlukrativ".

Und selbst wenn eigentlich alles fertig ist, kann es allerletzte und etwas skurrile Probleme geben - wenn plötzlich ein Dixi-Klo oder ein versehentlich gebauter Zaun die Tür des Multifunktionsgehäuses versperrt. Denn auch das ist schon passiert. Da steht dann das schnelle Internet vor der Tür, aber die Tür geht nicht mehr auf.

Können wirklich alle Kunden 250 Megabit pro Sekunde bekommen?

Projektleiter Jürgen Hardt weiß, dass das "bis zu" in der Beschreibung "bis zu 250 Mbit/s" wichtig ist. "Denn auch wir können die Physik nicht aushebeln. Es hängt immer davon ab, wie weit ein Anschluss vom neuen Multifunktionsgehäuse entfernt ist. Und wenn diese Entfernung 600, 700 oder sogar 800 Meter lang ist, kann der Kunde keine 250 Mbit/s mehr bekommen." Dann sind es beispielsweise "nur noch" 100 Mbit/s, was in vielen Fällen aber auch bereits eine enorme Verbesserung bedeutet.

Doch die Prognose des Nahbereichs-Experten der Telekom klingt positiv: "In Zukunft wird doch eine große Anzahl der Kunden in der Nähe dieser neuen MFG leben, um die 400 Meter" - und das reicht meist aus, um tatsächlich von der maximalen Bandbreite zu profitieren.

Mehr Info im Video

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