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Stefanie Halle

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Störungen durch das Schneechaos im Süden - was wir tun

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Die Schneemassen und der Katastrophenalarm im Süden Deutschlands betreffen auch die Telekommunikations-Technik. Wie und was wir dagegen tun, steht hier.

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Die Multifunktionsgehäuse der Telekom können teilweise nur mit schwerem Gerät wieder freigelegt werden.

Josef Scherl ist Niederlassungsleiter Region Süd der Deutsche Telekom Technik, Arne Freund ist Geschäftsführer Außendienst bei der Telekom. Die beiden schildern die aktuelle Lage in den vom starken Schneefall betroffenen Gebieten.

Welche Auswirkungen hat der Schnee auf unseren Kundenservice?

Freund: Durch die Schneemassen sind zahlreiche Ortschaften von der Außenwelt abgeschnitten. Das beeinträchtigt natürlich unsere Kunden aber auch unsere Arbeiten und Hilfe erheblich. Teilweise kommen wir noch nicht einmal zu unseren Kunden durch. Und da, wo wir inzwischen wieder durchkommen, dringen wir nicht bis zu unserer Technik vor.

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Arne Freund ist Geschäftsführer Außendienst bei der Telekom

Viele Multifunktionsgehäuse, die so genannten "grauen Kästen", stehen strategisch am Straßenrand. Räumfahrzeuge schieben dort auf dem Weg zu den eingeschneiten Bürgern große Schneehaufen auf, welche uns den Zugang zu unseren Standorten versperren.

Um dennoch an die Störungsorte zu gelangen, schaufeln unsere Mitarbeiter die teilweise über drei Meter hohen Schneeberge in Handarbeit weg. Wir kommen dabei nur sehr mühsam voran und können derzeit in den betroffenen Gebieten kaum Anschlüsse schalten. Da müssen wir uns der höheren Gewalt beugen.

Technik im Schneechaos

Der starke Schneefall im Süden Deutschlands hat Auswirkungen auf die Technik und die Arbeit der Techniker.

Welche Gebiete sind denn am stärksten betroffen?

Scherl: Grundsätzlich kann man sagen, dass die Gebiete südlich der A8 mit schweren Bedingungen zu kämpfen haben. Im Alpenraum ist das vor allem die Region von Garmisch-Partenkirchen bis Berchtesgaden und im Bayrischen Wald von Cham bis Wegscheid.

Josef Scherl ist Niederlassungsleiter Region Süd der Deutsche Telekom Technik

Josef Scherl, Niederlassungsleiter Region Süd der Deutsche Telekom Technik

Am stärksten betroffen sind die Ortschaften, die über oberirdische Leitungen angeschlossen sind. Hier haben die unter den extremen Schneemassen umstürzenden Bäume zu vielen Kabelabrissen geführt und es kommen täglich noch große Mengen dazu.

Mit den milden Temperaturen und den starken Regenfällen am 12. und 14. Januar ist an vielen Stellen Bayerns Wasser in unsere Leitungen eingedrungen: Viele Anschlüsse sind dadurch gestört oder sind komplett vom Netz. Die Baugruben, die wir ausheben können, um die Störung zu beheben, müssen teilweise vor dem "Einstürzen" gesichert werden, um niemanden zu gefährden.

Wie gehen Sie unter diesen Bedingungen vor?

Freund: Als erstes zählt der Mensch! Wir haben eine Verantwortung für unsere Mitarbeiter und werden sie nicht in Gefahr bringen. Teile der betroffenen Gebiete dürfen derzeit nicht betreten werden. Wir kommen erst dann wieder an unsere Leitungen und Masten, wenn uns die zuständigen Behörden die Zutrittsgenehmigungen erteilen und somit die Sicherheit unserer Mitarbeiter gewährleistet ist.

Dass deswegen die Entstörung oder Bereitstellung dauert, ist leider bitter für die Betroffenen, liegt aber nicht in unserer Hand. Bei der Reparatur unterirdischer Kabel kommt hinzu, dass Bagger erst dann wieder graben können, wenn Schnee und Eis weg sind.

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Techniker schaufeln Multifunktionsgehäuse per Hand frei, wenn sie hinkommen.

Scherl: In dieser schwierigen Situation packt jeder an und hilft wo er kann. Kollegen sind mit Schneeschuhen und Skiern in den betroffenen Gebieten unterwegs. Zudem bekommen wir Unterstützung aus ganz Deutschland. Die Kollegen unterstützen unsere Teams auch schon vor Ort.

Improvisation ist das Gebot der Stunde: Ein gutes Beispiel kommt von meinen Kollegen, den Servicetechnikern. Normalerweise schalten sie Anschlüsse, jetzt haben sie Heckenscheren besorgt, um gerissene Oberleitungen abzuschneiden, damit sie diese provisorisch wiederherstellen können. Das Team funktioniert!

Welche Alternativen bieten Sie Ihren Kunden, deren Festnetz-Anschluss derzeit nicht repariert werden kann?

Freund: Für unsere Festnetzkunden halten wir zum Beispiel mobile Router bereit, das Magenta Zuhause Schnellstartpaket. Hat der Kunde bereits ein Mobiltelefon in unserem Netz, stellen wir ihm ganz unkompliziert zusätzliches Datenvolumen bereit. Damit kann er dann bei sich zuhause sofort online gehen. Für ältere Menschen, die ganz besonders auf ihr Telefon angewiesen sind, halten wir Notfallhandys bereit. Das sind keine komplizierten Smartphones, sondern gut zu bedienende Seniorenhandys.

Sobald Ortschaften oder Straßen wieder frei zugänglich sind, sind auch unsere Leute direkt vor Ort. Sie stellen, wo immer möglich, direkt wieder die Verbindungen her – und sei es erst einmal nur provisorisch. Wir tun wirklich alles, was in dieser schwierigen Situation in unserer Macht steht.

Was ist für die nächsten Wochen zu erwarten? Können wir unser Netz vor so etwas schützen?

Scherl: In der aktuellen Lage beobachten wir die Witterung sehr genau, da aber die zwei Wochen Vorhersagen Temperaturen unter dem Gefrierpunkt prognostizieren ist zunächst keine Verschärfung der Lage durch Schmelzwasser zu erwarten. Zunächst sind also zumindest keine weiteren Störungen oder Ausfälle durch eindringendes Wasser zu befürchten. Mit zunehmendem Tauwetter rechnen wir jedoch mit einer Verschärfung der Lage in den kommenden Wochen.

Prävention gegen Schnee oder Sturm ist ein schwieriges Unterfangen, da diese Ereignisse nicht so örtlich berechenbar auftreten, wie zum Beispiel Hochwasser in Passau oder Köln wo wir unsere Infrastruktur mit Hochwasserschutzhauben bereits ganzjährig schützen.

Eine Entstörung nach dem Schneechaos in Berchtesgaden:

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