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Nicole Schmidt

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Die Moral der Maschinen

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Je nach Temperament wird Künstliche Intelligenz als Heilsbringer oder ernsthafte Bedrohung der menschlichen Gesellschaft gesehen. Derart konträre Ansichten zu einem Thema schreien geradezu danach, auch in unserer telegraphen_Reihe diskutiert zu werden. Zugegeben, die Fragestellung „Innovationsturbo Künstliche Intelligenz – welche Ethik-Leitplanken brauchen wir?“ war sehr philosophisch. Aber ab und zu sollten wir im hektischen Leben mal kurz auf die Standspur abbiegen und uns einen Augenblick des tiefen Nachdenkens gönnen. 

v.l.n.r. Moderator Wolf Christian Ulrich, Prof. Birgit Beck, Manuela Mackert und Aljosha Burchardt.

Diskutierten beim telegraphen_lunch (v.l.): Moderator Wolf Christian Ulrich, Prof. Birgit Beck, Manuela Mackert und Aljosha Burchardt.

Das taten mit uns Prof. Birgit Beck, Leiterin des Fachgebiets „Ethik und Technikphilosophie“ an der TU Berlin, Manuela Mackert, Chief Compliance Officer Deutsche Telekom, und Dr. Aljosha Burchardt vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

Über die Frage, warum Menschen glauben, dass Maschinen teilweise besser geeignet wären als sie selbst, war sich das Podium einig. Die Hoffnung auf objektive und rationale Entscheidungen, unverfälscht von persönlichen Ansichten oder Vorurteilen, scheint ein Vorteil für Maschinen zu sein. Unisono wiesen hier Prof. Beck und Dr. Burchardt darauf hin, dass die Neutralität der Technik eine veraltete These ist und in Maschinen immer die Sicht ihrer Programmierer eingebaut ist.

netzgeschichten-KI-Ethik-Leitplanken

Natürlich wurde auch das Paradebeispiel der aktuellen Diskussion über Maschinenmoral zitiert: Das berühmte autonome Auto, das in einer Unfallsituation entscheiden muss, ob es in eine Kindergruppe rast oder stattdessen mitsamt Insassen gegen die Wand fährt. Prof. Beck findet solche Konstrukte jedoch wenig geeignet. „Diese Gedankenexperimente sind Werkzeuge, um zu veranschaulichen. Aber der Transfer eines solchen Werkzeugs in einen anderen Kontext ist unter Umständen dysfunktional.“ Dahinter stehe zwar der verständliche Wunsch nach Klärung der Verantwortung, aber schon seit dem Zeitalter der Industrialisierung gebe es eine Verantwortungsdiffusion. 

Verantwortung ist auch der zentrale Punkt für Manuela Mackert. Im Veränderungsprozess, den KI auslöst, sieht sie Unternehmen klar in der gesellschaftlichen Verantwortung. „Deswegen hat die Deutsche Telekom sich eigene Leitlinien zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz gesetzt. Wir nehmen uns selbst in die Pflicht, Transparenz zu zeigen, unsere Kontrollmechanismen nachvollziehbar zu machen und so mögliche Ängste abzubauen. Wir müssen die letzte Meile menschlich gestalten.“


Aljosha Burchardt kann völlig nachvollziehen, dass viele Menschen bei dem Schlagwort Künstliche Intelligenz zwischen Bauch und Kopf hin- und hergerissen sind. Dennoch sieht er, gerade in Deutschland, eine überzogen dargestellte Gefahr der Künstlichen Intelligenz. „Oft höre ich den Satz ‚Ich möchte mein Leben nicht von Maschinen dominieren lassen.‘ Dann frage ich sofort ‚Wie suchst Du im Internet?‘ “ Burchardt möchte die Technologie der Künstlichen Intelligenz nicht schon im Vorfeld reglementiert und eingeengt haben. "Wenn wir zu lange über die Risiken und Gefahren diskutieren, rennen wir hinterher und müssen die Technologie wieder in Fernost oder Amerika kaufen. Dann haben wir unsere Werte auch nicht einbringen können." Trotzdem plädiert er für einen Algorithmen-TÜV und im nächsten Schritt auch für eine „Algorithmen-Fahrprüfung“, um zu sehen, wie sich die Technik im Einsatz verhält. 

Offen darüber reden, gemeinsam darüber nachdenken, könnte der Ansatz zum verantwortungsvollen Umgang mit Künstlicher Intelligenz sein. Und wie Prof. Beck anmerkte: „Ethik bedeutet nicht, gleich etwas zu verbieten.“

Das telegraphen_lunch verpasst, aber trotzdem am Thema interessiert? Kein Problem – einfach unseren aufgezeichneten Livestream anschauen. Und in Kürze folgt eine nächste Ausgabe unserer Netzgeschichten, die sich um das Thema „Künstliche Intelligenz & Ethik“ dreht.

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Gesprächsrunde beim tlunch

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Andreas Kadelke

3 Kommentare

Algorithmen und Ethik

Es gibt ja Diskussionen, von denen wird man innerlich richtig durchgerüttelt. Unser telegraphen_lunch zum Thema "Können Algorithmen ethisch handeln?" war für mich so eine. Nach einer intensiven Debatte über künstliche Intelligenz, selbstlernende Algorithmen und Ethik stand für mich fest: Da kommt etwas mit Riesenschritten auf uns zu, das unsere Gesellschaft - oder jedenfalls große Teile - auf links ziehen wird.

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