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Nicole Schmidt

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Mein Chef, der Algorithmus?

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Die Fragestellung des Abends bei der telegraphen_lounge war mit „Wann ersetzt Künstliche Intelligenz das Management?“ vulgo „Geht es nach dem Blaumann jetzt auch der Krawatte an den Kragen?“ zupackend formuliert. Beispiele für digitale Unterstützung im Arbeitsleben gibt es mittlerweile zuhauf, egal ob zum Beispiel in der Produktion oder in der Logistik. Zunehmend besteht die Sorge, dass die digitale Unterstützung der Arbeitenden letztendlich zu ihrer Substitution führen könnte. Aber gilt das auch für Jobs im Management? Wird der Algorithmus zum Chef? 

Darüber diskutierten wir mit unseren Experten Prof. Hüseyin Özdemir, der sich schon lange mit Digital Change und Leadership beschäftigt, sowie Alexander Weidauer, Mitgründer und CEO von Rasa Technologies und damit beheimatet auf dem Gebiet von Produkten Künstlicher Intelligenz. Prof. Özdemir sieht die Entwicklung, dass alles, was mit Bildschirmen zu tun hat, perspektivisch automatisiert werden wird. „Routineaufgaben im Management können von Künstlicher Intelligenz übernommen werden. Aber Management besteht auch aus Leadership und hat viel mit Empathie zu tun. Führung von Personal kann nicht so leicht ersetzt werden und ist auch nicht in der Gesellschaft akzeptiert.“ 

Alexander Weidauer glaubt, dass Menschen in ihren Fähigkeiten überbewertet sind. „Sie könnten auch sehr komplexe Aufgaben lösen, aber sie haben manchmal schlechte Laune oder auch einfach nur keine Lust.“ Ein Algorithmus dagegen arbeite immer gleich zuverlässig. Trotzdem lässt ihn die Frage, wie das Management der Zukunft aussieht, nicht kalt. „Ich höre öfter in Firmen, dass sie gern das mittlere Management ersetzen möchten. Ich frage mich, wie soll da die Geschäftssitzung aussehen? Sitzt der CEO allein in der Besprechung und drückt Artificial Intelligence-Knöpfe, um Antworten zu bekommen?“ 

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Moderator Volker Wieprecht, Prof. Hüyesin Özdemir, Alexander Weidauer (v.l.)

Hüyesin Özdemir verweist darauf, dass in deutschen Großunternehmen viel über Datenschutz und Compliance geklagt wird. Wird Managern ein neues System vorgeschlagen, ist trotzdem ihre erste Frage: „Wo liegen die Daten?“ „Wenn das in Kalifornien ist“, sagt Özdemir, „wird sofort abgewunken.“ Deshalb werde in den seriösen Firmen in Deutschland ein Austausch des Managements gegen Maschinen seiner Einschätzung nach nicht so bald kommen. Dem Gründer Weidauer ist es wichtig, dass es auch in Europa Experten für Artificial Intelligence gibt. Die Lockrufe aus Amerika seien laut und hoch dotiert, aber am Thema arbeiten ließe sich auch in Europa gut. „Das Feld ist riesengroß, ungefähr vergleichbar mit dem Internet vor zwanzig Jahren.“

Aus dem Publikum kamen wiederholt die Anmerkungen, dass die Berufswelt einer generellen Änderung durch die Digitalisierung unterliegt. Abgesehen von wenigen Ausnahmen wie Lehrer, Krankenschwester oder Friseur werde jeder Beruf sich ändern oder könne sogar wegfallen. „In den USA gibt es drei Millionen Lkw-Fahrer. Wenn autonome Fahrzeuge und die Auslieferung per Drohne kommen, gibt es diese Jobs nicht mehr. Kurzfristig habe ich Sorge, weil die Veränderung durch den technologischen Wandel sehr schnell die Jobsituation ändern kann“, so Weidauer. Prof. Özdemir sieht diese Herausforderung als wichtige Aufgabe für die Unternehmen. „Die Frage ist, wie bereite ich meine Leute vor? Wie werden die Mitarbeiter geschult?“ Diese Frage geht dann wohl direkt an den Chef – den aus Fleisch und Blut.

Termin verpasst, aber am Thema interessiert? Kein Problem – ich empfehle die Aufzeichnung des Livestreams. Und auch die nächste Folge der Netzgeschichten nimmt sich noch einmal Zeit für dieses Thema.

Dazu auch interessant Der Blogbeitrag „ Maschinen als Chef“.

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