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Video: Ranga Yogeshwar über das Internet als "Geburtshelfer einer demokratischeren Welt"

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Sie bezeichneten das Internet mal als "Geburtshelfer einer demokratischen Welt". Was meinten Sie damit? Wie kann das funktionieren?

Ranga Yogeshwar: Die Möglichkeiten des Internets bestehen darin, dass wir in vielen Prozessen nicht mehr eine Einbahnstraße haben, sondern die Bidirektionalität gegeben ist. Also, der User kann quasi wieder zurückspiegeln. Und diese Tatsache, kombiniert mit dem Faktum, dass es die Möglichkeit einer breiten Vernetzung gibt, also auch einer gemeinschaftsstiftenden Funktion durch Gruppen, durch Netzwerke, könnte im positiven Sinne dazu genutzt werden, dass wir, jeder Einzelne eine andere Verantwortung übernimmt, also aktiv etwas mitgestalten kann. Das ist zum Teil der Fall. Aber es gibt immer sozusagen die beiden Seiten.

Die andere Seite ist, dass aufgrund der Tatsache, dass wir so viele Daten rausgeben, inzwischen es möglich ist, diese Daten auch auszuwerten, Profile zu erstellen. Gerade Zeiten, in denen die Terrorhysterie groß ist, sind gefährliche Nährböden dafür, dass man anfängt, Menschen in Kategorien einzuteilen, oder das macht, was man "Scoring" nennt, also tatsächlich am Ende guckt: "Gehört der dazu, oder ist der möglicherweise eine Gefahr?" Das ist, wenn man das zu Ende denkt, gefährlich, zumal, wenn man es global betrachtet, Demokratie nicht unbedingt das Standardmodell in vielen Ländern ist.

Wenn man sich vorstellt, dass man plötzlich ein Tool hat, mit dem jeder Einzelne in einer Form kategorisiert werden kann, auch getrackt werden kann, sich kaum entziehen kann - und das in den Händen einer Diktatur -, ist das, glaube ich, etwas, was wir nicht wollen. Also, wie alles im Leben hat es die positive und die negative Seite. Wir sollten diese Sensibilität haben, um genau da diese negativen Auswüchse a) zu erkennen und b) auch wirklich dafür zu sorgen, dass sie sich nicht ausbreiten können.

Ist das dann eher eine Sache, die in der Verantwortung des Einzelnen liegt, oder ist hier auch die Politik gefragt, die Rahmenbedingungen vielleicht zu ändern?

Ranga Yogeshwar: Es ist ein Gesamtdialog. Es ist der Einzelne, es sind politische Debatten, die wir brauchen. Ich mahne an, dass wir bedauerlicherweise da hinterherlaufen. Also, die Politik ist einfach zu träge, die Strukturen sind zu langsam, mitunter ist die Kompetenz auch nicht da. Was wir im Moment erleben, ist, dass oft sozusagen Dinge gemacht werden und dass diese normative Kraft einsetzt, bevor wir eigentlich den Dialog geführt haben, dass wir vor vollendete Tatsachen gesetzt werden, bevor wir eigentlich überlegt haben: "Wollen wir das wirklich? Was sind die Konsequenzen?". Das ist so ein Hase-Igel-Spiel.

Aber ich glaube, es ist eher eine Gesamtkultur einer Gesellschaft, die verstehen muss, dass sie aktiv mitentscheiden, mitgestalten muss. Wir müssen rauskommen aus dieser Comfort Zone, in der wir dasitzen und denken: "Ja, das muss man jetzt machen" oder "Das muss man nicht machen". Nein, es ist an uns, zu entscheiden. Die digitale Revolution wird dann eine demokratische Revolution, wenn sie es schafft, die Bürger aktiv in die Gestaltung mit einzubinden. Wenn das nicht der Fall ist, dann haben wir die Entmündigung genau jener Demokratie, die wir eigentlich stärken wollten.

Video-Interview mit Ranga Yogeshwar

Auf Sicht fahren

Ranga Yogeshwar: "Die Politik ist zu träge, die Strukturen sind zu langsam… Was wir im Moment erleben, ist, dass oft Dinge gemacht werden…, bevor wir eigentlich den Dialog geführt haben."

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