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Klaus vom Hofe

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Rauf zum höchsten Arbeitsplatz Hamburgs

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Ein Wahnsinnsblick auf 204 Metern, ein Alarm, reichlich Funktechnik und die Erinnerung an ein Treffen mit Udo Lindenberg … Thomas Scheel hat mir viele Türen des Hamburger Fernsehturms geöffnet. Als technischer Objektmanager kann er viel berichten. 

 Thomas Scheel neben einer Richtfunkantenne auf dem Hamburger Fernsehturm.

Thomas Scheel von der Deutschen Funkturm GmbH ist der technische Ansprechpartner für alle, die den Turm brauchen. Für Anbieter von Radio- und Fernsehdiensten, für Behörden mit ihren eigenen Funksystemen genauso wie für Mobilfunkeinheiten der Telekom und ihrer Wettbewerber. Download (jpg, 1.2 MB)

Die Leuchtdiode im Aufzug zeigt die „30“ als wir aussteigen. Endstation. Der letzte Raum des Turmschaftes unter der schlanken Spitze ist spärlich beleuchtet. Es riecht nach Dachboden. Überall nackter Beton. An der Wand Schilder und Schalter. Auch ein alter Bilderrahmen. Darin hat jemand eine Collage aus Hamburger-Verpackungen geklebt. Alt und ausgeblichen, vielleicht von Mittagspausen in den 80ern? Dass mein Blick nun daran kleben bleibt, zeigt eigentlich: Ich kann mir noch nicht vorstellen, gleich auf einer Plattform 204 Meter über Hamburg zu stehen. 55 Meter höher als der Kölner Dom. Mir ist etwas mulmig.

„Achte auf sicheren Tritt und Halt“

Weiter geht es nun über eine senkrechte Stahlleiter. Mein Kollege Thomas Scheel klettert vor, öffnet die schwere, runde Luke in der Decke. Die Sonne gleißt herein. „Achte auf sicheren Tritt und Halt“, mahnt er und zeigt mir bei jeder Bewegung, wo ich mich festhalten muss. Ich steige aus der Dachluke. Nein, „krabbele“ ist hier passender. Schwarze, armdicke Kabel von Antennen um mich herum, außerdem viel Metall.

Ich winde mich zwischen Stützen und Streben durch, während ich mich ans Licht gewöhne. Stahlblauer Himmel. Und knalliges Orange: Hier auf der obersten Antennenplattform steht die signalfarbene Spitze. Die ist nochmal über 70 Meter hoch, gehalten von den sechs menschengroßen Schrauben, die ich um die Luke herum sehe. Beim Blick über die weiße Reling bleibt mir die Spucke weg. Häuser, „Michel“, Parks, Autos, Hafen, Kräne … alles in miniatur und schönstem Licht.

Bildergalerie

Mit 276,5 Metern ist der Turm das höchste Gebäude Hamburgs. 53 Jahre jung, steht er übrigens schon unter Denkmalschutz. Das oberste Antennengeschoss ist der höchste Arbeitsplatz der Hansestadt, schätzt Thomas. Zumindest unter den Arbeitsplätzen, für die es keinerlei Schutzkleidung bedarf. Würden wir nun weiter auf die Antennenspitze wollen, bräuchten wir diese. Abgesehen davon, dass ich – anders als Thomas - keine Steigerausbildung habe, hätten dazu auch die dort angebrachten Rundfunkantennen abgeschaltet werden müssen. Aus Sicherheitsgründen.

Thomas ist als Objektmanager technisch für den Fernsehturm verantwortlich – neben fünf weiteren Standorten in und um Hamburg. Er arbeitet bei der Telekom-Tochter Deutsche Funkturm (DFMG, siehe Kasten). Gerade dieser ist einzigartig. Er trägt eine zweistöckige Aussichtsplattform – für Besucher*innen noch geschlossen – und eine separate Technikplattform: beides dicke, diskusförmige Ringe am Turmschaft. Ebenso markant: die darüber folgenden sechs Ringe oder Geschosse für Antennen.

Richtfunk von Turm zu Turm

Etwa Antennen für Richtfunk. Diese sehen aus wie überdimensionierte Lampenschirme, um 90 Grad gedreht. Aus ihrer Mitte schießt eine so genannte Radiowelle wie ein Strahl heraus, um vom Antennen-Pendant am nächsten Turm, mitunter über 60 Kilometer entfernt, empfangen, ausgestrahlt und gegebenenfalls zum Weitertransport wieder verstärkt zu werden. Damit sie ihr Ziel treffen, darf kein Hochhaus oder Wald im Weg stehen. Auch darf nichts die Antennen verschieben. Daher sind sie mit einer schweren Stahlkonstruktion verschraubt.

Diese Richtfunkstrecken binden beispielsweise Mobilfunkmasten oder ganze Firmen ans Telekom-Netz an, sorgen für Polizeifunk oder übertragen Fernsehsignale. Thomas erklärt mir das an einem Beispiel. Angenommen, der Bundespräsident hielte eine Rede im Hafen: „Die Live-Übertragungswagen der Sender würden die Aufnahmen direkt zum Fernsehturm schicken, der sie in die Studios funkt. Die Regie dort regelt Bild und Ton, was sofort zurück zum Turm geht und von dort zu den entfernten Türmen und deren Ausstrahlungsgebieten.“ Alles in Sekundenbruchteilen.

Alarm!

Plötzlich heult eine Sirene von unten. Katastrophenwarnung?! Mir rutscht das Herz in die Hose. Thomas beruhigt mich: „Nur ein Probelauf für den Hochwasseralarm.“ Meine liebe Hansestadt Hamburg, denke ich … Ausgerechnet heute, während mich Ahnungslosen 204 Meter vom sicheren Boden trennen. Und noch dazu bei dem Wind hier oben, viel stärker als unten an diesem lauen Spätsommertag. Thomas‘ besonnene, ruhige Art beindruckt mich. Sie hilft mir bei diesem ungewöhnlichen Ortstermin. Er hat gerade sein 40-jähriges Dienstjubiläum hinter sich, zu dem seine Kollegen ihn im Turm mit einer kleinen Feier überraschten. Ihm ist anzusehen, wie sehr er sich darüber gefreut hat. Der Hamburger fing 1981 seine Ausbildung zum Fernmeldetechniker beim Telekom-Vorgänger Bundespost an. Arbeitete unter anderem in der Funknetzplanung, bis ein Objektmanager für den Fernsehturm gesucht wurde – mit Funk- und Steigererfahrung. Er ist der technische Ansprechpartner für alle, die den Turm brauchen. Für Anbieter von Radio- und Fernsehdiensten, für Behörden mit ihren eigenen Funksystemen genauso wie für Mobilfunkeinheiten der Telekom und ihrer Wettbewerber. Thomas regelt alles - von der Platzierung von Antennen und sonstiger Empfangs- und Sendetechnik über Stromversorgung, Heizung, Lüftung bis hin zur Gebäudewartung - und steuert dafür die Dienstleister. Auch die sogenannte „Flughindernisbefeuerung“ gehört dazu, also die roten und weißen Signalleuchten für Pilot*innen.

Zwei-Tonnen-Kran für schwere Technik

Der 55-Jährige hat schon viele Besucher*innen im Turm begrüßt, auch Prominente. Er weiß, worauf da zu achten ist und spricht das an, vor allem mögliche Platznot auf den engen Treppen oder Höhenangst bei den Antennen. Auch ich halte respektvoll Abstand zu den Rändern. Zu sehen gibt es trotzdem genug. Hier auf dem Dachgeschoss steht auch ein drehbarer Kran für sperrige, schwere Lasten, die nicht in den kleinen Vier-Personen-Aufzug passen. Hierhinauf fährt kein großer Lift. Der würde hier nicht mehr in den spitz zulaufenden Turm passen. Für den Kran muss aber eine Spezialfirma ran. Wer Technik auf dem Turm aufbauen will, schaut sich also zuerst den Aufzug an. Regelmäßig brauchen Thomas und sein Team den Kran, um ein Gerüst an den unteren Geschossen anzubringen. In schwindelnder Höhe klettern sie darauf, um von außen die Betonwand zu prüfen.

Nun geht es die Steigleiter wieder runter, dann weiter hinab über eine schmale Stahltreppe. Rundherum, entlang der Außenwand. Wir betreten dann auch untere Antennengeschosse. Thomas schraubt dazu große Stahltüren auf – ja, tatsächlich: gegen Wind- und Wetter und plötzliches Zuklappen gibt es schwere Kurbelverschlüsse. Die senkrecht verlaufenden Kabel der angeschlossenen Antennen begleiten uns auf dem Weg hinunter. Wir gelangen zur Technikplattform. Hier gibt es Server-Regale für die Sende- und Empfangstechnik. Außerdem einen Konferenzraum mit langem Tisch dort, wo früher mal ein Leitstand war. Nachdem die Funktechnik digitaler wurde, wurde der hier nicht mehr gebraucht. Die Telekom hat von ihren Netzmanagement-Centern in Bonn und Bamberg alles im Blick. Die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) verantwortet auch die Flughindernisbefeuerung, die ein Dienstleister von Leipzig aus überwacht.

Wir steigen weiter ab zur Aussichtsplattform, dann zum ehemaligen Restaurant darunter. Hier blieb die Zeit stehen, nachdem es seit 2005 keinen Besuchsverkehr mehr gab. Reste von Mobiliar aus den 60ern oder 70ern. Braune Mosaiksteinchen an der Wand, auch ein Relief, das übergroße Trinkgläser darstellt. Ich hoffe, dass es hier bald wieder losgeht. Die Planungen für den Umbau laufen. Thomas gehört mit zum Projektteam. In seinem Büro zeigt er mir das Modell für eine Empfangshalle, die am Fuß des Turms entstehen soll. Ach ja, sein Büro: Es dürfte das höchste Hamburgs sein.  

Wir steigen weiter hinab, vorbei an der engsten Treppenstelle (ca. 60 Zentimeter) bis in den Keller. Lüftungsanlagen, Heizung und ein Raum voller Geräte für die Stromversorgung. Daneben einer mit einem Notstrom-Generator, der eine Kleinstadt versorgen könnte. Und noch ein Raum: reihenweise Batterien, Dutzende, jede ungefähr hüfthoch. Die drei Räume entsprechen drei möglichen Bedarfen von Fernsehturmkunden: Strom pur für unkritische Anwendungen, Notstrom für alles, was nach kurzer Unterbrechung sofort weitersendet. "Und dauerhafter Batteriebetrieb für alles, was nicht auf langes Hochfahren von Systemen warten kann", erklärt Thomas. Netz und doppelter Boden, also.

Ich meine nun, das ganze Gebäude gesehen zu haben. Der Turmgang mit Thomas macht deutlich: Heutige Technik braucht weniger Platz. Hardware ist kleiner geworden. Manche Technologien liefen aus, andere wurden abgelöst, so etwa das analoge Fernsehen durch das digitale. Glasfasernetze im Boden übernehmen mehr Dienste. Doch schon steht Neues in den Startlöchern, das Platz für sich reklamiert: "Edge Computing" im Mobilfunknetz. Das heißt: Rechenleistung im Netz, nah bei den Kunden. Und nicht wie heute weit entfernt in großen Rechenzentren, zu denen die Daten lange Wege zurücklegen. Das hilft Anwendungen, blitzschnell zu reagieren, etwa für Drohnenflug, Robotervehikel oder Gaming. Bruno Jacobfeuerborn, Chef der DFMG, hat da klare Vorstellungen: Fernsehtürme haben großes Potenzial, das so genannte "taktile Internet" oder auch "Echtzeitinternet" zu unterstützen. Dazu können Hochleistungsrechner, die Daten in Millisekunden verarbeiten und dank kurzer Kabelwege zu den Antennen blitzschnell senden, schon bald die vorhandene Technik im Turm ergänzen. 

Udo Lindenberg zu Gast 

Thomas‘ Job dürfte zu den einzigartigsten in der Region zählen. "Wer im Bekanntenkreis erstmals davon erfährt, hebt erstaunt die Augenbrauen", sagt er. Für ihn ist der Job Routine. Und doch gibt es immer wieder ungewöhnliche Einsätze, die er sehr schätzt. Etwa, wenn der Turm illuminiert wird, wie in den vergangenen Silvesternächten. Thomas klärt dann mit den Eventtechnikern die Logistik und sorgt für die Stromanschlüsse an den richtigen Stellen. Dasselbe auch bei der „Night of Light” im Juni 2020. Damals machten Lichtinstallationen auf die Situation der Corona-gebeutelten Veranstaltungsbranche aufmerksam. Unter den Gästen auf dem Antennengeschoss war auch Udo Lindenberg, mit dem Thomas ein paar Worte wechselte: "Das war schon etwas ganz Besonderes", blickt er zurück. Es ging, natürlich, um den Turm, die mega Aussicht.

„Hammerkrass“ – und ein großes Dankeschön an Thomas Scheel.

Quizfrage: Fernsehtürme schwanken, und das ist bei so hohen Gebäuden gut so. Was schätzt ihr, wieviele Meter der Hamburger Fernsehturm jeweils nach links und rechts schwankt? Bis zu ... A: einem Meter, B: drei Metern oder C: fünf Metern?

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Georg von Wagner

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