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George-Stephen McKinney

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Frankfurt: Ein Flughafen fliegt auf neue Mobilfunk-Technik

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Deutschlands größter Flughafen hebt ab in die Mobilfunk-Zukunft: Frankfurts Airport wurde auf Single RAN umgestellt. Was das bedeutet, erklären wir hier.

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Mobilfunkantenne auf dem Frankfurter Flughafen

"Single RAN" - das klingt nach einer Flirt-App auf dem Smartphone. Motto: "Auf Tinder geht der Single ran." Doch damit hat die neue Technik, die die Deutsche Telekom jetzt auf dem Flughafen Frankfurt/Main installiert hat, nichts zu tun. Nach rechts gewischt wird hier nur für die Zukunft. Genauer gesagt, für ein noch leistungsfähigeres, schnelleres und flexibleres Mobilfunknetz.

Wir verraten, was "Single RAN" wirklich bedeutet - und erklären, wie die Telekom Deutschlands größten Flughafen in einem wahren Mega-Projekt auf die neue Technik umgestellt hat.

Was ist Single RAN?

Das Kürzel RAN steht für "Radio Access Network", also für das Netzwerk, das den Zugriff auf den Mobilfunk möglich macht. Und "Single RAN" bedeutet, dass die Mobilfunkgenerationen 2G (GSM), 3G (UMTS), 4G (LTE) und ab sofort auch 5G erstmals auf einer gemeinsamen Hardware-Plattform laufen. Bisher waren für jedes dieser Netze eigene Bausteine erforderlich.

Nun fällt diese komplizierte Hardware in den Mobilfunkanlagen weg. Stattdessen wird die komplette Netztechnik in einer einzigen, kleineren Einheit zusammengefasst. Wesentlicher Vorteil: Je nach Kundenbedarf lassen sich die Bandbreiten flexibel und dynamisch aufteilen. Die Telekom kann also zum Beispiel von UMTS auf LTE umstellen, ohne dafür die Hardware zu ändern. Und 5G lässt sich per Software nachrüsten.

Grafik "Single RAN"

Single RAN integriert alle Technologien in eine Technikeinheit. Download (jpg, 965.0 KB)

Momentan werden alle 27.000 Standorte der Telekom in Deutschland auf Single RAN (oder kurz SRAN) aufgerüstet. Der "Swap", die Umstellung des Flughafen-Giganten in Frankfurt, war dabei eine der anspruchsvollsten Aufgaben.

So lief der Flughafen-Swap

Tobias Gruschka, Teilprojektleiter der Telekom für den Flughafen-Swap, verrät, wie das Mammut-Projekt ablief: "Im August 2018 haben wir das erste Mal mit Fraport an einem Tisch gesessen, um über die Single RAN-Anpassung an unseren Antennen zu sprechen."

Sieben Monate nach der Präsentation des Vorhabens bei der Frankfurter Flughafengesellschaft konnte die Telekom dann im März 2019 bereits den ersten Standort modernisieren. 40 Kollegen der Telekom und weitere Mitarbeiter des Netzwerkausrüsters Ericsson waren anschließend rund ein Dreivierteljahr beschäftigt, bis Projektleiter Gruschka Vollzug melden konnte: "Wir haben den Flughafen Ende Januar 2020 komplett auf Single RAN umgebaut. Damit ist er fertig geswappt."

So riesig war das Projekt

Flughafen-Swapper Tobias Gruschka kennt die Zahl genau: "Das waren insgesamt 59 Standorte, die wir angefasst haben." 59 einzelne Mobilfunk-Standorte - das klingt nach einer größeren Stadt, ist aber tatsächlich die komplette Technik, die die Deutsche Telekom braucht, um einen Flughafen mit über 70 Millionen Passagieren im Jahr zu versorgen.

Jeder Standort ist dabei über eine separate Glasfaserleitung angebunden. Und jeder Standort erfordert einen erheblichen Zeitaufwand. Auch hier hat Projektleiter Gruschka eine beeindruckende Zahl parat. "Ein Standort dauert 23 Wochen, bis er modernisiert ist" - von der Planung bis zum Abschluss der Arbeiten. Dazu zählen die gesamte Projektierung des Vorhabens, Standortbegehungen, Materialbestellung, Lieferungen, Aufbau, Konfiguration der Hard- und Software und vieles mehr. "Und nach dem Swap", verrät Gruschka, "gibt es eine Optimierungsphase, bei der wir den Standort noch einmal genau unter die Lupe nehmen."

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Tobias Gruschka, Teilprojekt-Leiter Single RAN Swap Telekom Deutschland

Das waren die größten Herausforderungen

Neben der schieren Größe des Projekts brachten auch die ganz speziellen Rahmenbedingungen an einem Großflughafen einige Herausforderungen für das Telekom-Team mit sich. "Der Flughafen in Frankfurt steht bekanntlich nie still. Wir durften also den laufenden Betrieb nicht beeinträchtigen", erklärt Tobias Gruschka. "Dazu kamen Ferienzeiten und Feiertage, an denen wir aufgrund von erhöhtem Passagieraufkommen gar keine Arbeiten durchführen durften."

Außerdem hat die Sicherheit auf einem Flughafen natürlich höchste Priorität. Für alle Mitarbeiter vor Ort mussten also Zugänge organisiert werden, Schlüssel und zeitbegrenzte Ausweise. Und die Kollegen, die auf dem Vorfeld tätig waren, mussten sogar einen sogenannten Vorfeld-Führerschein machen.

Projektleiter Gruschka verrät, was es damit auf sich hat: "Ihn braucht jeder, der dort ein Fahrzeug führt. Dabei sind die Verkehrsregeln zu beachten - zum Beispiel, dass Flugzeuge vor allen anderen Fahrzeugen Vorrang haben."

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Zwei Arbeiter auf dem Dach eines Flughafen-Gebäudes

Und das hat der Kunde davon

"Die Ansprüche des Kunden steigen ständig. Wir haben das beste Netz, und deshalb modernisieren wir es kontinuierlich", weiß Tobias Gruschka. Dass sich die Bandbreiten mit Single-RAN-Technik flexibel und dynamisch auf die einzelnen Netze aufteilen lassen, bedeutet für die Kunden konkret: Sie erhalten je nach Bedarf und Nachfrage immer die optimale Performance. Damit wird das Mobilfunknetz noch schneller und noch leistungsfähiger. Und natürlich ist SRAN bereits für 5G ausgelegt.

Der Start der nächsten Mobilfunk-Generation kann dabei per Softwareupdate erfolgen. "Mit der SRAN-Modernisierung sind jetzt alle Standorte am Flughafen Frankfurt/Main 5G-ready", blickt Gruschka auf sein Mammutprojekt am Mammutflughafen zurück. Und auch seine nächste berufliche Herausforderung bei der Telekom wird mit 5G zu tun haben - wenn er nach rechts wischt, für Deutschlands Netz der Zukunft.

Die Umschaltung auf Single-RAN im Video

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Hubertus Kischkewitz

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