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Hubertus Kischkewitz

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Glasfaser-Ausbau: Vollgas mit Bremse

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Mit den Zahlen zum schnellen Internet in Deutschland ist es wie mit den Corona-Inzidenzen: Mit etwas gutem Willen lässt sich alles hineininterpretieren. Auf der einen Seite hat die Deutsche Telekom 2021 bundesweit über 70.000 Kilometer Glasfaser neu verlegt – und damit 1,2 Millionen weitere „Fiber to the Home“-Anschlüsse (FTTH) ermöglicht. Bei dieser Technik reichen die Glasfaserkabel bis in die Häuser und Wohnungen, ohne dass dazwischen noch Kupfer im Spiel ist. 

Auf der anderen Seite liegt Deutschland im aktuellen Festnetz-Vergleich „Speedtest Global Index“ mit durchschnittlich 138,70 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) weltweit nur auf Rang 37 – 33 Plätze hinter dem gern zitierten Rumänien, das mit 241,03 Mbit/s Platz vier schafft. Wir erklären, warum der Breitbandausbau in Deutschland manchmal an Vollgasfahren bei gleichzeitigem Bremsen erinnert.

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Der Saugbagger spielt eine wichtige Rolle beim Netzausbau in Freiburg.

Schnell – aber noch nicht schnell genug

2021 hat die Telekom ihr Tempo beim Glasfaserausbau in Deutschland glatt verdoppelt. Die 1,2 Millionen neuen FTTH-Anschlüsse, die Internet mit Gigabit-Geschwindigkeit ermöglichen, bedeuten eine 100-Prozent-Steigerung gegenüber dem Jahr davor. 2022 sollen sogar zwei Millionen weitere FTTH-Anschlüsse dazukommen. Das ist auch notwendig, denn YouTube, Netflix, MagentaTV, TikTok & Co. sorgen weiter für deutlich wachsende Datenmengen. Allein 2021 sind die Downloads und Uploads im Telekom-Festnetz um weitere 15 Prozent gestiegen.

Doch trotz aller Erfolge und stolzen Zahlen könnte die Telekom das schnelle Netz in Deutschland noch schneller ausbauen. Warum das nicht immer und überall wie gewünscht funktioniert, zeigt das Beispiel Freiburg im Breisgau.

Der Hindernislauf von Freiburg

In der umweltbewussten Schwarzwald-Hauptstadt will die Telekom gerade 25.000 weitere Haushalte mit Glasfaser schneller ins Internet bringen. Doch hier zeigt sich exemplarisch, wie Auflagen und langwierige Genehmigungsverfahren den Netzausbau mitunter zum Hindernislauf machen. In Freiburg sind beispielsweise Bäume eine der großen „Glasfaser-Bremsen“. Nun plädiert niemand dafür, fürs schnelle Internet Bäume zu fällen. Und dass der Netzausbau umweltverträglich und unter Einhaltung der Naturschutzauflagen erfolgen muss – darin ist sich die Telekom mit Behörden, Verbänden und allen Beteiligten einig. Freiburg zeigt allerdings, warum es beim Ausbautempo in Deutschland häufig hakt und nicht so schnell vorangeht wie zum Beispiel im vermeintlichen „Internet-Wunderland“ Rumänien.

Glasfaser-Bremse 1: Der Staubsaug-Stopp

Um beim Ausbau schnellstmöglich und auch umweltschonend voranzukommen, rücken Baufirmen oft mit ganz speziellen Gerätschaften wie beispielsweise dem Saugbagger an. Das ist ein Lastwagen mit einem riesigen Rüssel am Heck, der mit seiner enormen Kraft von 44.000 Kubikmetern Luft pro Stunde Steine, Geröll und Abraum aus Baugruben saugt und in seinen Laderaum befördert. Das geht bei entsprechender Bodenbeschaffenheit schneller und wurzelschonender als klassischer Tiefbau. In Freiburg fürchtet das Gartenamt allerdings, dass der XXL-Staubsauger mit seiner Höhe Baumkronen beschädigen könnte. Allerdings sind auch große Bagger satzungsgemäß dort verboten. Deshalb wurde in vielen Ortsterminen mit der Telekom jeder einzelne Baum betrachtet – und festgelegt, wo der Saugbagger zum Einsatz kommen darf, und wo nicht. Wo er nicht saugbaggern darf, kann nur mit kleinem Gerät gebaggert und geschaufelt werden. Dort geht es dann sehr langsam voran.

Glasfaser-Bremse 2: Das Zickzack-Internet

Telekom-Regionalmanager Christopher Beußel erklärt, wie das genau läuft mit der Glasfaser in Freiburg und den Bäumen: „Wir müssen hier quasi jeden Baum einzeln betrachten. Wir gehen mit dem Baumbeauftragten der Stadt jeden Baum durch und schauen, was die Besonderheiten sind. Nicht jeder Baum ist gleich, gleich alt und hat das gleiche Wurzelwerk.“ In Sorge um die Bäume schlug das Freiburger Gartenamt für die geplante Glasfaserstrecke mehrere Straßenquerungen vor. Je nach Lage der Baumwurzeln sollte die Leitung also die Straßenseite wechseln. Selbst wenn dieses „Zickzack-Internet“ technisch und finanziell machbar gewesen wäre, hätte es die Telekom gar nicht realisieren dürfen. Denn das städtische Tiefbauamt lehnte den Vorschlag der Behördenkollegen ab, um den Straßenkörper zu schützen und den Verkehrsfluss nicht zusätzlich zu bremsen.

Glasfaser-Bremse 3: Kein Ausbau in Mindertiefe

In Deutschland ist das Verlegen von Kabeln und Leitungen unter Gehwegen traditionell in einer Tiefe von 60 Zentimetern üblich. Das Verlegen in einer sogenannten „Mindertiefe“ von 40 Zentimetern würde viel Zeit, Geld und Aufwand sparen – selbstverständlich mit allen technischen Maßnahmen, um die gewohnte Tiefbauqualität sicherzustellen. Das würde auch die Baumwurzeln besser vor Schäden bewahren. Während der Ausbau in Mindertiefe auf der anderen Rheinseite in Frankreich längst die Regel ist, ist das in Freiburg nicht möglich, wie Regionalmanager Beußel hadert: „Um diese Bäume zu schützen, würden wir gerne alternative Verlegemethoden wie beispielsweise Mindertiefe einsetzen. Leider hat die Stadt Freiburg noch keine Zustimmung dazu erteilt.“ Das ist auch in vielen anderen deutschen Städten und Regionen bisher der Fall – eines der größten Hindernisse hierzulande für den Breitbandausbau.

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Kabel und Leitungen werden tief unter den Gehwegen verlegt.

Glasfaser-Bremse 4: Kein Platz für den Aushub

Auch die dichte Bebauung, die schmalen Bürgersteige und viele parkende Autos bremsen das Ausbautempo in Freiburg. Wegen der Enge gibt es keine Ablageflächen für den Aushub, der aus den Baugruben befördert wird. Die Baufirmen behelfen sich mit Containern auf Lastwagen, die Steine und Erdreich ins Zwischenlager transportieren. Von dort aus werden sie nach dem Verlegen der Leitungen zum Verfüllen zurück an die Baustelle gebracht – nicht gerade das schnellste und umweltfreundlichste Verfahren.

Glasfaser-Bremse 5: Zu kurze Baugruben

Laut verkehrsrechtlicher Anordnung darf in Freiburg pro Baukolonne und Tag nur eine Grube von maximal 50 Metern Länge ausgehoben werden. Eine einzelne Kolonne würde aber eine deutlich längere Strecke schaffen. Das wäre schneller und günstiger, ist aber nicht erlaubt. Stattdessen muss ab 50 Metern eine neue Grube geöffnet werden – aber erst, wenn die alte wieder geschlossen ist.

Glasfaser-Bremse 6: Das Internet-Mosaik

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Pflastermosaik in Freiburg - ebenfalls eine Herausforderung für den Netzausbau

1858 hat Pflasterermeister Alois Krems die berühmten Pflastermosaike nach Freiburg gebracht, die er auf seinen Lehr- und Wanderjahren in Südfrankreich bewundert hatte. Seither sind Gehwege vor allem in der Freiburger Innenstadt reich verziert mit Mosaiken aus Rheinkieseln, weißem Marmor oder rotem Porphyr. Diese Puzzles sehen malerisch aus, sind ohne jeden Zweifel erhaltenswert – führen aber dazu, dass jedes einzelne Mosaik nach dem Verlegen der Glasfaser millimetergenau wieder hergestellt werden muss.

Die Freiburger lassen sich nicht bremsen

Baumbeauftragte und Kunstwerke auf Bürgersteigen. Deutschland ist mit gutem Grund stolz auf seinen Umwelt- und Denkmalschutz – muss dann aber auch akzeptieren, wenn es mit dem Breitbandausbau bisweilen nicht so schnell vorangeht wie in anderen Ländern, in denen die Auflagen weniger hoch sind. Die Telekom-Kunden in Freiburg lassen sich die Freude am schnellen Internet trotzdem nicht nehmen. „Über 60 Prozent aller Haushalte haben schon einen Glasfaseranschluss beantragt“, berichtet Regionalmanager Christopher Beußel.

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Wirt Volker Schneider freut sich auf das schnelle Internet. 

Und Volker Schneider, Betreiber des in Freiburg sehr beliebten „Wirtshaus zum Goldenen Anker“ spricht für viele, wenn er sagt: „Ich finde es supermäßig gut, dass wir hier Glasfaser bekommen, für meine vielen tollen Gäste hier draußen im Biergarten. Und vor allem für uns selber, für das Büro“ – und für alles, wofür man schnelles Internet gebrauchen kann. Mit weniger Bürokratie, etwas mehr Pragmatismus, schnelleren Genehmigungsverfahren und alternativen Verlegemethoden könnten noch mehr Menschen in Deutschland noch schneller im „Wirtshaus zur Goldenen Glasfaser“ einkehren.

Mehr zum Thema gibt's in diesem Video:

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Hubertus Kischkewitz

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Zierolshofen: Deutschlands Glasfaser-Hauptstadt


Die Zierolshofener lieben das schnelle Internet. Die jungen wie die alten Bürgerinnen und Bürger. Der Ortsvorsteher ging deshalb vor dem Glasfaserausbau Klinkenputzen. Die Anschlussquote ist bundesweit eine der besten.

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