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Hubertus Kischkewitz

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Warum Weiding optimalen Mobilfunk hat und Bürgstadt nicht

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Zwei Gemeinden in Bayern. Eine freut sich über einen modernen Mobilfunkstandort, die andere surft hinterher. Woran das liegt? Hier steht es.

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Mobilfunkmast von Weiding im Sonnenuntergang

Es ist fast wie in der alten Spülmittelwerbung: Während die Menschen in Villabajo noch mühsam ihre Paella-Pfannen schrubbten, wurde in Villarriba bereits gefeiert.

So ähnlich wie den Spaniern aus der damaligen Werbung geht es derzeit auch den Menschen in zwei bayerischen Orten: Während die 2.500 Bürger von Weiding im Oberpfälzer Landkreis Cham bereits begeistert mit dem Smartphone surfen und telefonieren, müssen die 4.200 Einwohner von Bürgstadt im unterfränkischen Landkreis Miltenberg nach wie vor auf zeitgemäßen Mobilfunk warten.

Zwei Orte, zwei Mobilfunkwelten - wir verraten, warum Villabajo und Villarriba jetzt mitten in Bayern liegen.

Die Stimmung in Sachen Mobilfunk

Weiding: Bürgermeister Daniel Paul von der Freien Wählergemeinschaft ist begeistert, dass seine Weidinger den Start der Mobilfunkversorgung so positiv angenommen haben: "Es gab keine einzige negative Stimme, und dafür bin ich sehr dankbar." Sein Eindruck: "Die Zeit hat sich gewandelt. Und es ist in den Köpfen der Bevölkerung angekommen, dass ein Mobilfunkmast keine Gefahr mehr darstellt, und dass jedes Handy sogar stärker strahlt, wenn kein guter Empfang ist."

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Daniel Paul, Bürgermeister von Weiding

Bürgstadt: Hier ist die Stimmung in Sachen Mobilfunk dank einer kleinen, aber sehr aktiven Minderheit der Bürger deutlich schlechter als im 320 Kilometer weiter südöstlich gelegenen Weiding. Deshalb hält die Kommune bisher an einem Ratsbeschluss fest, der besagt, dass sie der Telekom kein eigenes Grundstück für einen Antennenträger zur Verfügung stellen will.

Die Mithilfe der Gemeinden

Weiding: Hier haben Bürgermeister und Gemeinderat die Telekom von Anfang an bei der Standortsuche und bei den Genehmigungsverfahren unterstützt. Und diese Genehmigungen sind kompliziert, wie Bürgermeister Paul zu berichten weiß. Denn Hopplahopp und leichtfertig wird in Deutschland - völlig zurecht - kein Mobilfunkmast aufgestellt. Bauantrag, Behandlung im Gemeinderat, Anhörungen beim Landratsamt zu Themen wie Naturschutz, Landschaftsschutz, Emissionsschutz und Forstwirtschaft, "und dann wird abgewogen", weiß Daniel Paul. "Wo muss man etwas verbessern, wo muss man etwas ändern, damit die Belange beispielsweise des Naturschutzes berücksichtigt werden? Und das kann sich schon ein paar Monate hinziehen. Aber unterm Strich hat alles gut geklappt."

Erwin Walch, Kommunalbeauftragter der Telekom für den Mobilfunk, weiß, wie essentiell die Unterstützung der Gemeinde ist: "Es ist wesentlich einfacher, einen Standort zusammen mit der Gemeinde zu finden, weil die Akzeptanz in der Regel dadurch viel höher ist." Auch die Bereitschaft von Bürgern, ein Grundstück für den Mast zu Verfügung zu stellen, steigt durch die Zustimmung einer Kommune. Und die Erteilung der erforderlichen Genehmigungen läuft dann deutlich schneller ab.

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Erwin Walch, Kommunalbeauftragter der Telekom

Bürgstadt: Bürgermeister Thomas Grün von den Unabhängigen Wählern, gewiss kein Mobilfunkgegner und "ewig Gestriger", erklärt, wie es zu der negativen Entscheidung des Gemeindesrats kam: "Der Ratsbeschluss lautet, dass wir auf öffentlichen Gebäuden keine Mobilfunkmasten oder Mobilfunkanlagen möchten." Grund: "Das resultiert daraus, dass damals in der Nähe der Schule und auf der Schule geplant wurde, und da ist die Bevölkerung natürlich sehr sensibel."

Generell, so Bürgermeister Grün, steht er einer zeitgemäßen Mobilfunkversorgung seines Ortes aber positiv gegenüber: "Grundsätzlich sind wir als Gemeinde natürlich interessiert, dass wir unserer Bevölkerung eine zukunftsfähige Infrastruktur zur Verfügung stellen, das ist ja auch unsere Aufgabe."

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Thomas Grün, Bürgermeister von Bürgstadt

Die Position der Bürger

Weiding: Hier hat der Privatmann Reinhold Schönberger ein Grundstück für den Bau des Mobilfunkmasts der Telekom zur Verfügung gestellt. Seine Begründung: "Jeder will ein Handy haben, aber keinen Funkmasten in der Nähe. Aber trotzdem habe ich mich dafür entschieden." Massive Kritik oder gar Anfeindungen von seinen Mitbürgern musste er dafür nicht in Kauf nehmen: "Die Reaktionen der Bürger in der Gemeinde waren im Großen und Ganzen positiv."

Bürgstadt: Bürgermeister Grün erklärt, wie klein, aber lautstark, der Widerstand in seiner Gemeinde in Sachen Mobilfunkmast schlussendlich war: "Es war eine Unterschriftenaktion, da haben sich rund 100 Personen eingetragen, die in unmittelbarer Nähe des geplanten Standortes wohnen, mit den verschiedensten Bedenken. Aber es sind 100 von 4.200. Wir haben hier natürlich eine schweigende Mehrheit. Da sind viele, die sich das gar nicht so bewusst machen und auch nicht so interessiert sind."

In Zahlen bedeutet das: Rund 2,4 Prozent der Bürger konnten bisher den Mastbau und die Mobilfunkversorgung in Bürgstadt verhindern.

Der aktuelle Stand in den beiden Orten

Weiding: Hier hat die Telekom nun einen 36 Meter hohen und 23 Tonnen schweren neuen Sendemast mit allen Diensten für perfekte Sprach- und Datenübertragung in Betrieb genommen. Erwin Walch, Kommunalbeauftragter der Telekom, erklärt: "Mit GSM, UMTS, LTE 800 und LTE 1.800 sowie mit der Vierfach-Antennentechnik 4x4 MIMO ist das einer der modernsten Standorte, die wir überhaupt bauen können."

Er ist zudem hochzufrieden mit dem "idealen Standort", den die Telekom mit Unterstützung der Gemeinde gefunden hat: "Wir können damit Weiding, die umliegenden Ortschaften, aber natürlich auch die Fläche dazwischen zu nahezu 100 Prozent versorgen, ohne dass jemand hinten runterfällt."

Bürgermeister Daniel Paul freut sich für seine Weidinger: "Ein großartiger Tag für die Gemeinde. Denn jetzt ist zur optimalen Versorgung via Kabel endlich auch der Mobilfunkempfang top."

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Manfred Held, Funknetzplaner Telekom, erklärt die möglichen Sektoren

Bürgstadt: Hier brauchen die 4.200 Einwohner nach wie vor Geduld. Zuletzt hatte die Telekom nochmals zwei mögliche Standorte am Ortsrand geprüft. Zumindest von einer dieser Optionen ist Funknetzplaner Manfred Held wegen der Entfernung zu den Kunden alles andere als begeistert: "Hier könnte ich maximal einen Sektor bauen, Richtung Innenstadt."

Ein zweiter Sektor für die Ausstrahlung des Mobilfunks ließe sich gar nicht realisieren. Denn dann würden sich die Signale mit den Frequenzen von bereits bestehenden Funkmasten überlappen und gegenseitig stören. Folge, so Netzexperte Held: "Die Bits purzeln dann einzeln durch die Leitungen", und das Surfen wird deutlich langsamer. Wenn auch diese Planungen keinen Erfolg bringen, sieht die weitere Taktik von Bürgermeister Thomas Grün so aus: "Dann werden wir eventuell mit einer Bürgerbefragung versuchen, die ‚schlafende Mehrheit‘ zu wecken."

Die Zukunftsaussichten

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Symbolische Einweihung Mobilfunkstandort Weiding

Weiding: Hier ist der nagelneue Mobilfunkstandort auch für die Zukunft gerüstet. Denn er bietet nicht nur Platz für die aktuellen Standards GSM, UMTS und LTE - sondern auch für die künftigen Antennen von 5G und für die Anlagen anderer Mobilfunkanbieter. Damit ist auf Jahre hinaus dafür gesorgt, dass die Weidinger den Anschluss ans moderne Internetzeitalter nicht mehr verlieren.

Bürgstadt: Hier hat sich zuletzt doch noch eine neue Möglichkeit eröffnet, eventuell auf einem privaten Gebäude im Ortskern eine Mobilfunkanlage zu errichten. Doch auch in diesem Fall ist nun wieder die Gemeinde gefragt. Denn aufgrund der Altstadtsatzung in Bayern müsste hier eine so genannte "Isolierte Befreiung" von den Festsetzungen des Bebauungsplans erteilt werden.

Ob das klappt, ist bisher offen. Aber: Die Mobilfunkhoffnung stirbt zuletzt, auch in Bürgstadt. Und schließlich waren auch die Menschen in Villabajo irgendwann fertig mit dem Schrubben ihrer Paella-Pfannen, und konnten feiern gehen.

Mehr Infos im Video:

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