Blog.Telekom

Katja Werz

11 Kommentare

Telefonzelle: Was kommt nach dem Ende der kleinen Häuschen?

  • Teilen
    2 Klicks für mehr Datenschutz: Erst wenn Sie hier klicken, wird der Button aktiv und Sie können Ihre Empfehlung senden. Schon beim Aktivieren werden Daten an Dritte übertragen.
  • Drucken
  • Text vorlesen
Telefonzelle

 

Vom Mobilfunk verdrängt: Das Telefonhäuschen verschwindet aus dem öffentlichen Raum. Doch längst haben Fans kreative und alternative Nutzungen erschlossen.

In diesem Artikel:

  • Warum Telefonzellen verschwinden
  • Geschichte der Telefonhäuschen
  • Zweitleben der Zellen
  • Grafik „Geschichte der Telefonzelle“

Das Telefonhäuschen an der Kreuzung, es stand hier für Jahrzehnte. In nur ein paar Stunden ist es abgebaut. Monteure hieven es auf einen großen Transporter und weg ist es. Ein Passant guckt wehmütig zu. Wo es wohl hinkommt?

Abtransport einer Telefonzelle

 

Die einen spielten in ihm unentwegt Telefonstreiche. Die anderen erlebten dort ein intimes Telefonat, das sie zu Hause nicht führen wollten. Heute fühlt es sich nostalgisch an, wenn man eine Telefonzelle betritt, den inzwischen viel zu groß wirkenden Hörer in die Hand nimmt und auf den metallenen Tasten eine Nummer wählt.

Das Smartphone macht Telefonzellen überflüssig

Im Zeitalter von Smartphones und Internet ist die Verbindung in die Welt jederzeit und überall selbstverständlich. Seit etwa 2007 ist das Handy ein Massenprodukt. Heute besitzt statistisch gesehen jeder Deutsche mindestens eines. Der Mobilfunkausbau und der Telefonzellenabbau, sie gehen Hand in Hand. Die gute alte Telefonzelle wird zum Ort der Erinnerung.

Streng genommen heißt es übrigens sowieso eher Telefonhäuschen oder noch genauer „Fernsprechhäuschen“. Denn „Telefonzellen“ bezeichnen eigentlich nur die festgemauerten Zellen, die es in Hotels oder Postämtern gab.

Moderner Münzfernsprecher

Moderner Münzfernsprecher

 

Noch knapp über 20.000 Telefonhäuschen der Telekom und einiger alternativer Anbieter haben überlebt, die meisten an Flughäfen oder Bahnhöfen. Doch sind die Häuschen auch noch so nostalgisch besetzt, es gibt eine Grenze der Wirtschaftlichkeit bei deren Betrieb: „Wenn diese erreicht ist, gehen wir auf die Gemeinde zu und besprechen, ob sie entfernt werden soll“, sagt Katja Werz von der Telekom. Denn dann bringt sie nur Verluste: Betriebskosten, Standmiete und Reinigung müssen ja laufend weitergezahlt werden.

Manche Gemeinden halten zwar trotzdem an ihren Telefonhäuschen fest, doch in den meisten Fällen werden sie einvernehmlich entfernt. Aber war da nicht was? Hat die Deutsche Telekom nicht die Pflicht, Zugang zu öffentlich zugänglichen Telefondiensten zu gewährleisten? Ja, und dennoch: Das Abbauen der Telefonhäuschen widerspreche nicht dem öffentlichen Grundversorgungsauftrag, sagt Katja Werz. „Denn wenn die öffentlichen Telefone nicht genutzt werden, tragen sie auch nicht zur Grundversorgung bei.“

Natürlich nimmt die Telekom den Auftrag zur Grundversorgung wahr. Viele Telefonhäuschen werden nämlich durch Basistelefone ersetzt. Das sind einfache Telefonanschlüsse an einer Stele, ohne Häuschen, die nur noch mit Telefonkarten oder Kreditkarten funktionieren – das bargeldlose Bezahlen soll vor Vandalismus schützen.

Moderne Telefonzellen und -stelen sind aber mehr, als der Betrachter auf den ersten Blick sieht, denn viele sind mittlerweile zum WLAN-Hotspot ausgebaut.

Die Geschichte der Telefonhäuschen

Eine gelbe Telefonzelle

 

Wie schnell sich Kommunikation ändert, lässt sich am Telefonhäuschen illustrieren. Ihre Blütezeit in den Neunzigern ist gerade mal 20 Jahre her. Mehr als 160.000 Telefonstandorte befanden sich laut Deutschem Städtetag im öffentlichen Raum. Die Glaswände des Häuschens waren wichtig: Denn die Leute legten viel mehr Wert darauf, dass ihre Gespräche in der Öffentlichkeit niemand mithören kann. Heute ist das den meisten Leuten egal: Ob im dicht gedrängten Bus oder in der Warteschlange – inzwischen wird überall laut telefoniert.

Die allererste Telefonzelle, der sogenannte Fernsprechkiosk, wurde 1881 in Berlin aufgestellt. 1899 kam der Münzfernsprecher auf, Telefonzellen für geschlossene Räume. Eine Kulturhistorikerin würdigte sie als ein „radikaldemokratisches Medium“. Denn es konnten zum ersten Mal auch Menschen telefonieren, die sich keinen eigenen Festnetzanschluss leisten konnten. Ab den Zwanzigern gehörten sie zu jeder Stadt dazu. An einen Hinweis aus den Siebzigern erinnern sich viele Leute gerne: „Fasse Dich kurz!“ stand neben den Automaten, weil sich Ortsgespräche dank eines Festpreises unendlich ausdehnen ließen. In einigen Telefonzellen mit Münzschlitz kann man sogar bis heute mit D-Mark-Münzen telefonieren.

Unten in der Grafik kann man übrigens die bebilderte Geschichte der Telefonhäuschen sehen.

Das spannende Zweitleben der Telekom-Telefonhäuschen

Das Ende des Telefonhäuschens liegt noch fern. Zu viele Menschen haben sich in diese Box verliebt und erfinden neue Funktionen für sie. Beispiele gefällig? Ein Fan hat sich einen Duschkopf in das Telefonhäuschen montiert und sie zur Gartendusche umfunktioniert. Ein Altersheim hat sich ein Telefonhäuschen in sein Foyer gestellt, weil besonders alte Leute nach wie vor kein Handy haben oder damit nicht umgehen können. Musiker berichten, dass die Häuschen dank Schallschutz ein ideales Mini-Tonstudio hergeben. Eine Bibliothek verwendet ein Telefonhäuschen als Bücherschrank im Freien, der 24 Stunden geöffnet hat. Gäste eines Hotels können in einer Telefonhäuschenbücherei ausgiebig schmökern.

Telefonzelle im Altenheim

Telefonzelle im Altenheim

 

Auch Künstler haben die Häuschen für ihre Aktionen vereinnahmt. 2010 stellten drei Studierende auf der Nibelungenbrücke in Linz ein Telefonhäuschen auf – mit politischer Botschaft. Es läutete unaufhörlich und lockte Passanten ins Häuschen. Wer den Hörer abnahm, hörte Berichte rassistischer Zwischenfälle aus verschiedenen Städten Österreichs. Ein anderer Künstler hat ein Telefonhäuschen über Nacht zu einem Minigarten umgestaltet: Auf dem Boden hat er Moos ausgelegt, darauf Klappstuhl und Gießkanne bereitgestellt, eine Kunstlandschaft ziert die Rückwand.

Neuen Ideen sind keine Grenzen gesetzt.

Noch sind einzelne Telefonzellen verfügbar für Verwandlungen. Sie kosten je nach Typ und Zustand ab 450 Euro. Allerdings hat das einen kleinen Haken: Die Lieferung und Montage ist nicht im Preis inbegriffen. Verfügbar sind nur noch Häuschen in Grau/Magenta; die gelben sind vergriffen.

Wer sich nun wirklich den Kauf eines gebrauchten und ausrangierten Telefonhäuschens überlegt, der kann weitere Informationen per E-Mail an info@telekom.de anfordern.

Die ganze Geschichte der Telefonzellen in einer Grafik

Telefonzellen-Historie

 

FAQ

Diese Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu gewährleisten. Durch die Nutzung der Website {js_accept}akzeptieren{js_accept} Sie die Verwendung von Cookies. Weitere Informationen finden Sie hier.