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Markus Jodl

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Tatort Dach: Der Antennen-Kommissar der Telekom

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Eine Mobilfunk-Antenne fällt aus. Das ist der Einsatzbefehl für den Außendienst. Wie das Team den tückischen Fehler entlarvt, schildern wir hier.

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Wir folgen dem Team, das den Fehler in einer Mobilfunkantenne aufspürt.

Sonntags, 20.15 Uhr in Deutschland. Die berühmte Musik von Klaus Doldinger, mit Udo Lindenberg am Schlagzeug. Die blauen Augen, das Fadenkreuz, ein Mann auf der Flucht. Gut zehn Millionen Menschen sehen jetzt den Tatort, rätseln mit, wer der Mörder war.

Die ARD-Kommissare ermitteln in München oder Dortmund, in Hamburg, Berlin oder Konstanz - aber niemals in Konz. Dort, in der Nähe von Trier, ermittelt nur der Antennen-Kommissar der Deutschen Telekom. Wir verraten, wie der Mobilfunk-Schimanski seine Fälle löst.

Der Ermittler

Peter Schmidt ist Telekom-Techniker im Außendienst. Und er fahndet auch - aber nicht nach Mördern, sondern nach rätselhaften Fehlern in Mobilfunkanlagen, die nicht mehr ordnungsgemäß funktionieren.

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Peter Schmidt, Techniker Telekom Deutschland

Die Opfer sind dabei zwar gottlob quicklebendig, ärgern sich aber beinahe tödlich, wenn sie nicht mehr wie gewohnt telefonieren oder surfen können. Und die Ermittlungen sind, wie im aktuellen Telekom-Tatort aus Konz, oft ziemlich spannend.

Dabei kann man Peter Schmidt sogar zuschauen - nicht im Fernsehen, aber auf Twitter, wo er auf dem Account @33dbm seine spannendsten Fälle präsentiert. Sein Einsatzort laut Twitter-Profil: "Flying on Earth thru Universe." Im aktuellen Fall hat es Peter Schmidt immerhin auf ein Hochhausdach mit defekter Mobilfunkanlage in Konz verschlagen.

Der Fall

Eine große Antennenanlage der Telekom mit GSM, UMTS, LTE 800, LTE 900 und LTE 1.800 funkt nicht mehr korrekt. Wobei: Sie funkt schon - aber nur in eine Richtung. Schmidt, Spürnase mit Schimanski-Schnauzer, erklärt, um was es geht: "Das Problem an dieser Station ist, dass wir in Richtung Kunden eine gute Versorgung feststellen. Aber der Rückweg von den Kunden zur Basisstation liefert nicht die Datenraten, die wir eigentlich erwarten."

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Anhand einer Zeichnung erklärt Peter Schmidt, was schiefläuft.

In der Praxis bedeutet das: Ein Mobilfunkkunde der Telekom kann hier auf seinem Smartphone zwar wunderbar Netflix streamen oder Instagram-Fotos ansehen. Aber auf dem Rückweg, wenn der Nutzer seine eigenen Inhalte per so genanntem "Uplink" hochladen will, hapert es. Peter Schmidt hat es also mit Einbahnstraßen-Mobilfunk zu tun. Damit ist der Fall umrissen, um den es hier geht. Im Tatort ist es an dieser Stelle meist etwa 20.25 Uhr.

Die ersten Ermittlungen

Zunächst muss Ermittler Schmidt grundsätzliche Fragen klären: "Wir schauen jetzt, ob eine Uplink-Störung von außen vorliegt, ob irgendetwas die Basisstation stört." Das könnte beispielsweise ein "Handy-Killer" sein - also ein Gerät, das Mobilfunksignale ganz bewusst stört und blockiert. So ein "externer Störer" wäre ein Fall für die Bundesnetzagentur, die den Übeltäter aufspüren müsste. Zweite Option für Peter Schmidt ist eine Störung innerhalb der Antennenanlage selbst. Noch ist kein Verdacht auszuschließen - ungefähr wie im Tatort um 20.45 Uhr.

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Der Spektrumanalysator misst, was das Systemmodul empfängt.

Die erste falsche Spur

Quasi gegen 21.05 Uhr Tatort-Zeit weiß Schmidt nach ersten Messungen, dass er einen Verdächtigen abhaken kann: "Wir haben festgestellt, dass kein externer Störer vorliegt. Jetzt müssen wir intern in der Anlage weiterschauen, wo die Quelle liegt. Und wenn es geht, müssen wir dann auch versuchen, diese zu beseitigen, damit das Empfangssignal wieder sauber ist." Als nächstes wird die Anlage in einen Testmodus mit maximaler Leistung geschaltet. Und die Techniker überprüfen alle Daten rund um den Uplink, also rund um den Bereich der Station, der nicht so funktioniert, wie er funktionieren sollte.

Die zweite falsche Spur

Die nächste Spur führt zum Motor, der die Absenkung der Antenne mechanisch verändert. "Den bewege ich jetzt mal und schaue, ob dann eine Veränderung bei den Uplink-Störungen zu sehen ist oder nicht", erklärt Peter Schmidt. Weil die Antenne oben auf dem Dach steht, die Menschen, die versorgt werden müssen, aber unten sind, neigt eine Mechanik die Antenne leicht nach unten - wie beim Abblendlicht eines Auto-Scheinwerfers. Diese Mechanik kann Störungen verursachen - tut sie aber in diesem Fall nicht. Auch hier führt die Spur ins Leere.

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Mit dem intermodulationsfreien Abschlusswiderstand versuchen die Techniker den Fehler weiter einzukreisen.

"Wir haben keine Veränderungen festgestellt. Es sind vor und nach dem Bewegen weiterhin die gleichen Intermodulationen", also die gleichen Störungen, berichtet Fahnder Schmidt. Er weiß jetzt zumindest, wer als Täter nicht in Frage kommt - muss gegen 21.20 Uhr Tatort-Zeit aber weitersuchen.

Der Assistent

Jeder gute Kommissar braucht einen treuen Assistenten, der ihm bei der Arbeit tatkräftig zur Hand geht - so wie "Wagenholer" Harry Klein früher bei Chefinspektor Derrick, oder (um beim Tatort zu bleiben) Christian Thanner bei Schimanski. Sie sorgen gegen 21.30 Uhr oft für die entscheidende Wende.

So ist das auch bei Peter Schmidts jungem Mitarbeiter Jan Bold. Er klettert im nächsten Schritt ganz nach oben - und schraubt anstelle der Antenne einen "intermodulationsfreien Abschlusswiderstand" auf den Mast. Das hört sich kompliziert an, sorgt aber dafür, dass sich die Antenne der Mobilfunkanlage als Störquelle entweder identifizieren oder ausschließen lässt. Denn falls die störenden Intermodulationen ohne angeschlossene Antenne plötzlich verschwinden, ist Ermittler Schmidt der Klärung seines heutigen Falls ganz nah.

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Jan Bold, Techniker Telekom Deutschland

Die Auflösung

Treffer! Um 21.35 Uhr Tatort-Zeit ist das Telekom-Duo endlich fündig geworden. "Wir haben unten festgestellt, dass wir keine Intermodulationen mehr messen, wenn Jan den Abschlusswiderstand statt der Antenne drauf hat", meldet Peter Schmidt. "Und daher haben wir die Antenne im Verdacht." Weitere Kalibrierungen, Messungen und mobilfunkkriminalistische Kleinarbeit ergeben, dass die Antenne "innerlich intermoduliert".

Das klingt so mysteriös wie die Auflösung eines Ludwigshafen-Tatorts mit Lena Odenthal, bedeutet laut Peter Schmidt aber schlicht und einfach: "Die Antenne ist defekt und muss getauscht werden." Kurz vor dem Abspann sind dann nur noch letzte Details zu erledigen.

Als Übergangslösung, bis eine neue Antenne installiert wird, schaltet die Telekom die Anlage auf bisher nicht genutzte Anschlüsse um. So können die Kunden wieder störungsfrei surfen. Und damit ist es 21.45 Uhr, der Mobilfunk-Krimi ist gelöst. Wir geben ab aus Konz zu Anne Will in Berlin.

Mit dem Antennen-Kommisar unterwegs im Video:

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Hubertus Kischkewitz

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