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Hubertus Kischkewitz

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Wie Spurensucher der Telekom Störquellen aufdecken

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Wenn unklar ist, warum und wo Internet und Co. gestört werden, rücken die Spezialisten der "Netz-Beeinflussung" aus. Wir haben sie begleitet.

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Gefunden: Am Ende entdecken die Störungssucher die Störquelle mit ihrem Equipment.

"Who Are You?" Dieser Song der englischen Rock-Legenden The Who war von 2006 bis 2016 bei RTL die Titelmusik einer der beliebten Krimiserien im deutschen Fernsehen: "CSI: Den Tätern auf der Spur". Mit Massenspektrometern und Elektronenmikroskopen haben die Forensiker um Gil Grissom und Catherine Willows darin Morde ohne Leichen, Todesfälle durch Bleivergiftung oder den Exitus durch Killerameisen untersucht.

Zugegeben: Ganz so dramatisch geht es bei der Deutschen Telekom nicht zu. Und wenn eine DSL-Leitung gestört ist, sind in den seltensten Fällen tödliche Ameisen daran schuld. Aber auch die Telekom hat ihre Sondereinsatz-Teams, die unter dem Motto "Den Übeltätern auf der Spur" rätselhaften Phänomen in ihren Leitungen mit Hightech-Ausrüstung auf den Grund gehen.

Wir verraten, wie die Detektivarbeit bei der "CSI Telekom" abläuft - und warum Züge der Deutschen Bahn oder LED-Lampen in Esszimmern daran schuld sein können, wenn die Internetleitung nicht mehr wie gewünscht funktioniert.

Der Gil Grissom der Telekom

Die Telekom-Ermittlertruppe heißt "Netz-Beeinflussung". Und einer ihrer Gil Grissoms ist Teamleiter Oliver Fried, der seinen Job so erklärt: "Unsere Aufgabe ist es, unsere Telekommunikationsanlagen vor Beeinflussungen zu schützen - aber auch, Personenschäden abzuwenden, sowohl bei Kunden als auch bei unseren Mitarbeitern."

Wenn der Blitz in eine Anlage der Telekom einschlägt und die Kabel bis zur Unkenntlichkeit zerfetzt, oder wenn in DSL-Leitungen unerklärliche Störungen auftreten - dann suchen insgesamt 70 Mitarbeiter in allen deutschen Telekom-Niederlassungen nach Auswirkungen und nach Gründen.

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Hier ist der Täter klar: Ein Blitz hat diese Muffe zerstört.

Und die sind oft unglaublich trivial, wie Telekom-Ermittler Fried weiß: "Das kann zum Beispiel das Netzteil eines Computers, eines Laptops oder eines Fernsehers beim Kunden sein, das elektromagnetische Störwellen aussendet und dadurch unsere DSL-Anschlüsse negativ beeinflusst."

Wenn die Mitarbeiter der Netz-Beeinflussung mit dem Ziel "Bitte nicht stören!" ausrücken, können das Routineeinsätze sein - oder auch höchst spannende Ermittlungsarbeit, die oft zu überraschenden Ergebnissen führt. Und: Wie bei CSI steht am Ende praktisch immer die Lösung des Falls, wie Oliver Fried verrät: "In der Regel finden wir den Störer dann auch und helfen bei der Beseitigung."

Der Routineeinsatz

Fachchinesisch wie "Längsspannungsmessung" oder mysteriöse Kürzel wie HVt, LVz und Hk - der Arbeitsalltag von Sachbearbeiter Julien Herlt klingt beinahe so kompliziert wie bei den Fernseh-Forensikern.

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Julien Herlt, Sachbearbeiter Netz-Beeinflussung Telekom, trifft am Tatort ein.

Eine seiner Aufgaben ist die regelmäßige Untersuchung von Telekom-Leitungen, die in der unmittelbaren Nähe von Bahntrassen verlaufen. Denn die Stromversorgung der Züge kann die Netze der Telekom negativ beeinflussen und stören. Experten sprechen dann von der unerwünschten "Längsspannung", die auf die Telefon- und Internetleitungen einwirkt. Diese Auswirkungen messen Julien Herlt und seine Kollegen routinemäßig etwa einmal im Jahr.

"Und wenn die Bahn eine Strecke neu elektrifiziert, berechnen und messen wir, was sich in unseren Leitungen daraus für Spannungen ergeben", erklärt Herlt. "Je nach Ergebnis werden diese Leitungen dann stärker überwacht, oder wir leiten Maßnahmen ein, um sie besser zu schützen."
Für seine Messungen analysiert er zunächst, ob die Leitungen im Telekom-Netz zwischen HVt (Hauptverteiler), LVz (Leitungsverzweiger) und anderen Netzbestandteilen unversehrt sind, ob beispielsweise die Isolierungen von Hk (Hauptkabeln) keine Beschädigungen aufweisen.

Wenn alles in Ordnung ist, startet Julien Herlt Langzeitmessungen von rund einer Woche. Dabei werden große Datenmengen gesammelt, die genau zeigen, ob in den Telekom-Leitungen entlang von Bahntrassen noch der erforderliche "Zug" drin ist, oder ob Probleme bestehen.

Der Störung auf der Spur

Während Julien Herlt im Fall der Bahntrassen routinemäßig ausrückt, hat es sein Kollege Albert Schlipf mit einem ebenso akuten wie rätselhaften Problem zu tun. Der DSL-Anschluss einer Telekom-Kundin ist gestört, und eine eindeutige Ursache ist bisher nicht zu finden.
Fachreferent Schlipf beginnt seine Fahndung am Multifunktionsgehäuse (MFG), also am Verteilerkasten, an dem die Wohnung der Kundin hängt.

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Albert Schlipf, Fachreferent Netz-Beeinflussung Telekom Deutschland, fahndet nach dem Störsender.

"Der Anschluss der Kundin beginnt ja hier am MFG", erklärt Schlipf. "Und deshalb prüfe ich die Qualität, ob zumindest hier noch alles in Ordnung ist." Seine Messungen ergeben: Nur die Leitung dieser einzelnen Kundin weist das Problem auf. "Und das bedeutet für mich, dass die Störung, die Beeinflussung, eigentlich von der Kundin kommen muss."

Deshalb setzt der Telekom-Störungsfahnder seine Arbeit am und im Haus der Kundin fort. Vor dem Gebäude sucht er wie ein Wünschelrutengänger mit einem Spektrumanalysator nach möglichen Störquellen und Signalen im Umfeld, die die Leitung negativ beeinflussen könnten.

Ergebnis: Fehlanzeige. Nach Messungen an der Sprechanlage, am Hausanschluss und am Sicherungskasten schaltet Albert Schlipf dann im Haus ein Elektrogerät nach dem anderen ein und aus, misst immer wieder - und wird schließlich fündig. Who Are You? Wer bist du? Was ist schuld an der DSL-Störung?

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Jedes Gerät, jeder Schalter wird gemesen auf der Suche nach der Störquelle.

Techniker Schlipf erklärt es der überraschten Kundin: "Es liegt an der LED-Lampe an der Decke im Esszimmer. Diese Lampen sind sehr oft die Ursache von solchen Störungen, da darin ja ein Netzgerät eingebaut ist, das die Spannung auf die richtige Größe transformiert." Und dieses Netzteil kann Störwellen aussenden.

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Auf der Spurensuche mit Hightech-Equipment

Der Beweis ist klar: Lampe an - Störungen. Lampe aus - keine Störungen. "In Ihrem Interesse und auch im Interesse Ihrer Nachbarn müsste diese Lampe ausgetauscht werden", empfiehlt der Techniker der Kundin, "denn die Lampe stört auch die Nachbarhäuser drumherum". Zudem können solche LED-Lampen, wenn sie mit zu hohen Spannungen arbeiten, zur echten Gefahr für Leib und Leben werden. Damit hat Albert Schlipf seine Ermittlungen erfolgreich beendet.

Doch am Tag darauf wartet schon der nächste spannende Fall auf die Netzforensiker der Telekom, quasi auf die "Cable Störungs Investigation" (CSI).

Der ganzen Einsatz als Video:

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