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Andreas Kadelke

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Deepfakes: „Vertrauen in Fakten nicht verlieren“

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Echt jetzt? Ex-US-Präsident Barack Obama nennt seinen Nachfolger Donald Trump Vollidiot („dipshit“)? Nein. Jedenfalls nicht in dem Video, das im Netz kursiert. Dieses Video ist eine Manipulation, ein so genannter Deepfake. Dieser Begriff bezeichnet Videos oder Audios, die mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) manipuliert werden. Können solche Deepfakes Politik und Gesellschaft manipulieren? Das wollten wir bei unserem jüngsten telegraphen_lunch in Berlin herausfinden. Dazu diskutierten Tania Röttger, Leiterin Faktencheck des Recherchezentrums CORRECTIV, und Ulrich ten Eikelder, Leiter Information Security and Awareness, Telekom Security, mit Moderatorin Dörthe Eickelberg und dem Publikum.

Deepfake-Videos gebe es vor allem über Menschen, von denen viel Videomaterial vorliege, berichtete Tania Röttger. Vor allem also von Politikern oder Schauspielern. Die Technologie sei derzeit noch nicht vollständig ausgereift. „Die Videos sehen noch nicht täuschend echt aus“, sagte Röttger. Experten seien durch intensive Forschung gut auf Deepfakes vorbereitet und könnten sie zuverlässig entlarven.

Für gefährlicher hält Tania Röttger aktuell so genannte Shallow Fakes oder auch Cheap Fakes. Videos, die mit einfachen Mitteln verfälscht werden und sich im Internet rasend schnell verbreiten. Sie nannte als Beispiel ein Video mit einer Ansprache der US-Politikerin Nancy Pelosi. Dieses Video wurde verlangsamt abgespielt. Dadurch entstand der Eindruck, Pelosi sei betrunken gewesen.

Über Deepfakes mit Audios berichtete Ulrich ten Eikelder. Im Beispiel ging es um so genannten CEO Fraud, übersetzt so etwas wie Vorstandsbetrug. Dabei rufen Betrüger einen Mitarbeiter eines Unternehmens an, und zwar mit der gefakten Stimme seines Chefs. Der vermeintliche Chef sagt seinem Mitarbeiter dann, er solle einen größeren Geldbetrag auf ein bestimmtes Konto überweisen lassen. Es gab nachweislich bereits Fälle, in denen solch ein Betrug funktioniert hat.

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Laut ten Eikelder versuchen solche Betrüger, die Emotionen ihrer Opfer anzusprechen. Zum Beispiel die Eitelkeit. Der Chef ruft mich an, also hält er mich für wichtig. Dann können es passieren, dass der Mitarbeiter nicht nachdenkt und auf den Betrug hereinfällt.

Erstmal nachdenken

Generell, da waren sich beide Experten einig, ist es wichtig, dass Menschen erstmal nachdenken. Bevor sie Geld an dubiose Typen überweisen. Aber eben auch, bevor sie ein fragwürdiges Video im Netz teilen. „Menschen, die ein Video sehen, sollten die Quelle hinterfragen“, sagte Tania Röttger. Das Recherchezentrum CORRECTIV fordere seine Community dazu auf, verdächtige Videos zu melden, die ihnen auf Facebook oder WhatsApp begegnen. CORRECTIV überprüfe das Video und veröffentliche dann den Faktencheck. Und bitte die Leser, diesen Faktencheck dann auch zu verbreiten.

Beide Speaker warnten vor Panik angesichts von Deepfakes. „Die Menschen dürfen das Vertrauen in Fakten nicht verlieren“, so Tania Röttger. „Die Medienlandschaft in Deutschland ist immer noch ziemlich gut. Man findet immer noch vertrauenswürdige Medien.“

Wie immer bieten wir die ganze Diskussion zum Nachschauen in unserem Archivstream an (unten eingebettet). Und die Netzgeschichten werden sich ebenfalls mit Deepfakes befassen und unsere Experten zu Wort kommen lassen.

Auf telegraphen_ folgt Netzgeschichten Talk

Dies war übrigens nach neun Jahren mit spannenden Diskussionen rund um die Digitalisierung unser letzter telegraphen_lunch. Aber schon am Mittwoch, 25. März, geht es weiter mit frischen Themen, neuen Formaten und unter dem neuen Namen Netzgeschichten Talk.

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Moderator Volker Wieprecht, Prof. Barbara Pfetsch, Lars Klingbeil, Falk Steiner (v.l.n.r.).

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Nicole Schmidt

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Über die Beeinflussung der politischen Debatte durch digitale Medien diskutierten auf unserem Podium in Berlin SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil, Prof. Barbara Pfetsch (FU Berlin) und der Journalist Falk Steiner.

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