Deutsche Telekom und ver.di schließen Beschäftigungsbündnis

Wochenarbeitszeit sinkt von 38 Stunden auf 34 Stunden - 10.000 zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten geschaffen - Transfermitarbeiter der Vivento erhalten zukünftig 85 Prozent des bisherigen Jahresentgelts - Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen bis 2008 verlängert Die Deutsche Telekom AG hat gemeinsam mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di ein Beschäftigungsbündnis mit Auswirkung auf 120.000 Beschäftigte vereinbart. Nach sieben Verhandlungsrunden konnte am 23. März eine Einigung für die Mitarbeiter der Deutschen Telekom AG, d.h. Konzernholding und T-Com, erzielt werden. Beide Vertragspartner haben ein Gesamtpaket vereinbart, das auch weiterhin belastbare Lösungen für beschäftigungssichernde Maßnahmen und einen sozialverträglichen Personalabbau beinhaltet.

Es wurde vereinbart, die Wochenarbeitszeit (WAZ) von 38 auf 34 Stunden zu verkürzen. Die Regelung gilt für die Arbeitnehmer der tariflichen Entgeltgruppen der T-Com sowie der Konzernholding rückwirkend zum 1. März 2004. Diese Arbeitszeitverkürzung soll ab 1. April 2004 ebenfalls auf die 50.000 Beamten angewandt werden. Bei der Absenkung auf 34 Stunden erfolgt ein Teillohnausgleich von 1,5 Stunden, so dass 35,5 Stunden bezahlt werden. Die WAZ-Absenkung schafft Raum für zusätzliche 10.000 Arbeitsplätze und die Möglichkeit, die Arbeit auf mehr Schultern zu verteilen. Dadurch können sowohl Beschäftigte der Vivento in die Betriebe zurückkehren als auch bereits geplante Versetzungen zu Vivento vermieden werden.

An einzelnen Standorten und Bereichen kann die Wochenarbeitszeit temporär sogar auf 32 Stunden abgesenkt werden. Dadurch können nochmals Arbeitsplätze neu geschaffen werden.

Zur Schaffung weiterer Beschäftigungsmöglichkeiten ist für teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer eine WAZ-Absenkung freiwillig möglich. Der Umfang der Absenkung bestimmt den Teillohnausgleich.

Mit ver.di ist in 2004 eine Nullrunde für acht Monate vereinbart. Danach erhalten die Tarifarbeitnehmer der Telekom ab 1. Januar 2005 eine Entgelterhöhung von 2,7 Prozent. Wegen der über ein Jahr hinaus gehenden Laufzeit von 15 Monaten bedeutet dies eine Erhöhung um 2,16 Prozent gemäss der tariflich üblichen Berechnungsmethode nach Westrick.

"Mit dem Beschäftigungsbündnis haben wir die langfristige, verlässliche Grundlage für eine ausgewogene und tragfähige Lösung für die Beschäftigungs- und Kostenprobleme im Konzern geschaffen", zeigte sich Personalvorstand Heinz Klinkhammer zufrieden über das Ergebnis der Verhandlungen. "Wir haben gemeinsam mit dem Tarifpartner eine historische Einigung erzielt, die einen entscheidenden Beitrag dazu leistet, betriebsbedingte Kündigungen über 2004 hinaus zu verhindern und die Personalüberhänge auch weiterhin sozialverträglich abzubauen."

Die beschäftigungsfördernden Konditionen in der Vivento und den Vivento-Geschäftsmodellen leisten einen weiteren wichtigen Beitrag zum Beschäftigungsbündnis. Die Gehälter der tariflichen Transfermitarbeiter in Vivento werden auf 85 Prozent abgesenkt. Dies ist vereinbart worden, um deutliche Anreize zur Annahme von Beschäftigungsangeboten zu schaffen. Zukünftig erhält ein Mitarbeiter aus Vivento dann aber eine von der Einsatzdauer und dem konkreten Einsatz abhängige Einsatzprämie, die maximal 15 Prozent betragen kann. Damit soll die Bereitschaft erhöht und honoriert werden, eine Beschäftigung auch außerhalb der Telekom anzunehmen. Im Gegenzug hat sich Vivento verpflichtet, jedem Arbeitnehmer alle drei Monate eine Einsatzmöglichkeit anzubieten.

Bei dem Tarifabschluss gelten für einige Beschäftigungsgruppen gesonderte Regelungen. Beschäftigte in Vivento, den neuen Vivento-Geschäftsmodellen sowie dem Stationären Handel werden von der Arbeitszeitverkürzung ausgenommen. Außerdem ist für Mitarbeiter der Vivento Customer Services GmbH, die Dienstleistungen außerhalb des Kerngeschäfts der Deutschen Telekom anbietet, ein neues Strukturmodell vereinbart worden. Die Gehälter werden zum 1. Januar 2005 einmalig auf 91,25 Prozent des bisherigen Jahreszielentgelts abgesenkt und damit in Richtung Marktniveau angepasst. Die Wochenarbeitszeit bleibt zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit bei 38 Stunden. Derzeit arbeiten ca. 1.500 Mitarbeiter für die Vivento Customer Services GmbH, in den neuen Vivento-Geschäftsmodellen sollen mittelfristig bis zu 10.000 Mitarbeiter beschäftigt sein.

Die Vorstandsmitglieder des Konzerns und das TOP-Management werden einen gesonderten Solidarbeitrag zum Beschäftigungspakt leisten. So hatte der Konzernvorstand bereits im Dezember 2003 einen Gehaltsverzicht angekündigt. Die dadurch freiwerdenden Mittel werden einem Härtefonds zugeführt, der mit der Umstellung verbundene Härtefälle abfedern soll. Für das Top-Management ist in 2004 eine Nullrunde beschlossen worden.

Die Deutsche Telekom und ver.di haben vereinbart, dass die angekündigten Rationalisierungspotenziale umgesetzt werden. Danach ist für das Jahr 2005 eine Stabilität im Personalbedarf garantiert. Im Jahre 2006 werden dann schon vor potenziellen Maßnahmen Gespräche mit dem Sozialpartner (ver.di/Gesamtbetriebsrat) vor Beschlussfassung aufgenommen.

In ihrer Verantwortung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch der gesellschaftlichen Verantwortung für einen stabilen Arbeitsmarkt in Deutschland verlängert die Deutsche Telekom AG ihren Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis zum 31. Dezember 2008.

Eine Einigung zum Ausbildungsangebot steht noch aus. Die Deutsche Telekom hatte eine Verdoppelung der Ausbildungszahl auf 4.000 Ausbildungsplätze angeboten, um einen deutlichen Beitrag zur Beseitigung des Lehrstellenmangels zu leisten. Nur die leistungsstärksten Auszubildenden werden nach dem Grundsatz Ausbildung geht vor Übernahme künftig im Konzern übernommen. Die weit über den Bedarf hinausgehende Ausbildung ist nur möglich, wenn genau wie bei den Arbeitnehmern als Solidarbeitrag das Urlaubsgeld und die Sonderzuwendung gestrichen werden.