CEO Ricke: Deutsche Telekom ist und bleibt Europas Nummer 1 - Strategie auf Wachstum und Wertsteigerung gerichtet - Dividendenvorschlag für 2005 von 0,72 Euro - Ausblick 2006 bekräftigt Die Deutsche Telekom wird kurz- und mittelfristig alles daran setzen, ihre Führungsposition zu halten und auszubauen. "Wir sind Europas Nummer Eins und wir werden es bleiben", betonte Vorstandsvorsitzender Kai-Uwe Ricke am Mittwoch bei der Hauptversammlung in Köln. Der Konzern verfolge eine klare Strategie und stelle sich den großen Herausforderungen besonders dem sich deutlich verschärfenden Wettbewerbs- und Preisdruck sowie dem rasanten technologischen Wandel. Vorstand und Aufsichtsrat schlugen der Hauptversammlung die Ausschüttung einer Dividende von 0,72 Euro vor, 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Dividendensumme steigt damit auf rund 3,0 Milliarden Euro nach 2,6 Milliarden Euro für 2004.
Beim Rückblick auf das Geschäftsjahr 2005 - dem finanziell besten Jahr in der Geschichte der Deutschen Telekom - verwies der CEO auf den Konzernumsatz, der um 3,9 Prozent auf 59,6 Milliarden Euro gesteigert werden konnte. Das Wachstum des bereinigten EBITDA betrug 5,7 Prozent auf 20,7 Milliarden Euro. Die verbesserte Ertragskraft setzte sich auch im bereinigten Konzernüberschuss fort, der um 26,7 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro stieg. Der ausgewiesene Konzernüberschuss einschließlich aller Sondereffekte betrug 5,6 Milliarden Euro, das entspricht weit mehr als einer Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr. Die Netto-Finanzverbindlichkeiten wurden um 3,2 Prozent auf 38,6 Milliarden Euro gesenkt, die Verschuldung des Konzerns weiter zurückgefahren.
An den guten Zahlen im Geschäftsfeld Mobilfunk war T-Mobile USA wieder wesentlich beteiligt. Im Gesamtjahr 2005 hat sich die Kundenbasis um die Rekordzahl von 4,4 Millionen auf 21,7 Millionen erhöht. Dass das schnelle Wachstum nicht zu Lasten der Profitabilität geht, zeigt sich am bereinigten EBITDA. Es wurde um 59,5 Prozent gesteigert - auf 4,1 Milliarden Dollar.
Derzeit bereitet sich T-Mobile USA auf die Teilnahme an der Auktion von Mobilfunk-Frequenzen in den USA vor, für die die US-Telekommunikationsaufsichtsbehörde FCC strenge Regeln für die Kommunikation der Teilnehmer aufgestellt hat. Vor diesem Hintergrund bat Ricke um Verständnis, dass die Deutsche Telekom sich bis Ablauf der Auktion nicht zum möglichen Kaufpreis für zusätzliches Spektrum äußern werde. Die Regeln sehen vor, dass jedwede Kommunikation während der Auktion im Hinblick darauf überprüft wird, ob sie als Versuch anzusehen sein könnte, durch öffentliche Kommunikation Signale an andere Teilnehmer zu senden und somit den Verlauf der Auktion zu beeinflussen.
Ausblick 2006 Für das laufende Jahr wird, wie bekannt, ein Konzernumsatz zwischen 62,1 und 62,7 Milliarden Euro und ein bereinigtes EBITDA zwischen 20,2 und 20,7 Milliarden Euro erwartet. Im Sinne von Wachstum und Wertsteigerung massiv in die Verteidigung und Rückgewinnung von Marktanteilen und Umsätzen investierend, wird der Konzern im laufenden Geschäftsjahr einmalig auf rund 1,2 Milliarden Euro beim bereinigten EBITDA verzichten. Für 2007 wird mit einer Umsatzgröße von 65,2 bis 66,2 Milliarden Euro gerechnet, beim bereinigten EBITDA mit einer Größenordnung zwischen 21,7 und 22,2 Milliarden Euro. Das entspricht einer Steigerung von bis zu 1,5 Milliarden Euro gegenüber 2005. "Und wir wollen zum einen im Sinne der bereits angesprochenen Dividendenpolitik natürlich eine attraktive Dividende zahlen sowie zum anderen das uns Mögliche tun, um einen Beitrag zur nachhaltigen Steigerung des Aktienkurses zu leisten", sagte Ricke.
Personalumbau Eine hohe Dividende und der Personalumbau seien für manchen nur schwer übereinander zu bringen, führte Ricke fort. "Die Dividende folgt den Regeln der Betriebswirtschaft und des Kapitalmarktes - und eine gute Ergebnisentwicklung macht letztlich das Unternehmen als Ganzes für seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher", unterstrich der Vorsitzende. Der Personalumbau hat zwei Zielrichtungen: Rund 6 000 Neueinstellungen in neuen Geschäftsfeldern und Bereichen mit hoher Kunden- und Servicenähe, wie z. B. in den T-Punkten. Andererseits sollen 32.000 Mitarbeiter den Konzern verlassen, darunter 7.000, deren Beschäftigungsverhältnisse endgültig aus der Vivento ausgegliedert werden. Die Stellenreduzierungen erfolgen vor allem in Bereichen, die direkt durch den rasanten technologischen Fortschritt betroffen sind. "Vor dem Hintergrund des hohen Wettbewerbsdrucks müssen technische Möglichkeiten, die die Effizienz steigern, konsequent genutzt werden", erklärte Ricke. Wie mit den Sozialpartnern vereinbart, wird es bis zum Jahr 2008 in der Deutschen Telekom AG keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Der Abbau erfolgt über den Einsatz freiwilliger Instrumente, wie z. B. Angebote zur Altersteilzeit oder Abfindungen. Dafür hat die Deutsche Telekom ein Programm mit dem finanziellen Volumen von 3,3 Milliarden Euro vorgesehen.
Kursentwicklung Ricke sprach von einer schwachen Performance der T-Aktie bei einer gleichzeitig guten operativen Entwicklung des Konzerns. "Das ist ein Widerspruch, der uns alle enttäuscht." Der Blick auf den Dow Jones Europe STOXX Telecommunications Index, in dem alle europäischen Telekommunikationsunternehmen vertreten sind, zeige jedoch, dass die Kursentwicklung in der TK-Branche im Ganzen deutlich schwächer verlief als in den meisten anderen Branchen. Zum Einstieg des Finanzinvestors Blackstone betonte der Vorsitzende: "Für mich ist es ein klarer Beleg für das Vertrauen in die Stärke und Strategie der Deutschen Telekom, dass eine Gesellschaft wie Blackstone, die dafür bekannt ist, vornehmlich nur Mehrheitsbeteiligungen einzugehen, sich bei uns mit 4,5 Prozent beteiligt hat."
Strategie Die Basis für profitables Wachstum legte die Telekom in den vergangenen zwei Phasen mit der erfolgreichen Entschuldung seit 2002 sowie der strukturellen Neu-Ausrichtung des Unternehmens seit 2004. "In 2006 starten wir jetzt in die Phase von Wachstum und Wertsteigerung. Und das werden wir ganz offensiv angehen", kündigte Ricke an. Dazu stellte er drei Kernbereiche seiner Strategie vor:
1. organische Weiterentwicklung des Konzerns,
2. Portfolioentwicklung, d.h. anorganische Weiterentwicklung des Konzerns,
3. Finanzstrategie.
Für das laufende Geschäftsjahr hat der Vorstand das 2005 aufgesetzte ExcellenceProgram, das aus Wachstumsinitiativen in den strategischen Geschäftseinheiten und aus Maßnahmen zur intelligenten Integration des Konzerns sowie einem Maßnahmenpaket zum Kulturwandel hin zu einem kundenorientierten Dienstleister besteht, in ein 10-Punkte-Programm zugespitzt.
10-Punkte-Programm Die ersten vier Maßnahmen zielen darauf ab, im Privatkundenmarkt der Geschäftsfelder Breitband/Festnetz und Mobilfunk das Kerngeschäft zu verteidigen und gleichzeitig neue Märkte zu erschließen. Im Festnetzgeschäft sollen zum Beispiel strategische Preismaßnahmen eingesetzt werden. Auch soll der Massenmarkt für innovative Breitbandangebote konsequent erschlossen werden. Stichworte sind das bereits eingeführte DSL-Portfolio, ADSL2+ und VDSL sowie die dahinter liegenden Services von T-Online, wie etwa eine nächste Generation des Fernsehens und Videodienste. Eine wichtige Grundlage dafür ist der Aufbau des neuen Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetzes mit Übertragungsraten von bis zu 50 Mbit pro Sekunde. Im Mobilfunk soll T-Mobile u. a. über attraktive Preise und einfache Preisstrukturen, eine Führungsposition beim mobilen Breitband und höchster Netzqualität erlangen. Mobile Datendienste werden verstärkt ausgebaut.
Weitere Punkte des Programms betreffen den Geschäftskundenmarkt, also T-Systems. So soll das Kerngeschäft Telekommunikation mit dem Mittelstand und den Großkunden weiter ausgebaut werden. Außerdem zielen im Geschäftskundenbereich integrierte Lösungen aus Telekommunikation und Informationstechnologie auf nachhaltiges Wachstum. Dabei werden zwei wichtige Zukunftsthemen besonders berücksichtigt: E-Health und E-Government.
Die letzten vier Punkte richten sich auf die intelligente Integration. Konkret geht es hier um die weitere Steigerung des Umsatzes, um Kostensenkungen sowie um die Förderung eines Kulturwandels. Dabei soll die Umsatzentwicklung u. a. durch die Förderung des Konvergenztrends gestärkt werden. Dazu gehört das Angebot von T-mobile@home von T-Mobile und die Dual Phone Lösung T-One des Geschäftsfelds Breitband/Festnetz.
Im Privatkundenbereich geht es auch um Mehrwertdienste auf Basis einer integrierten Multimedia IP Plattform, die den Herausforderungen der neuen IP-Welt gerecht wird. Alle Informations- und Kommunikationsbedürfnisse der Kunden sollen in der Zukunft im Sinne eines "digitalen Lebensstils" bedient werden.
Ferner adressiert die zweite konzernübergreifende Maßnahme zur Förderung des Umsatzwachstums: den Aufbau einer Kundendatenbank, die eingeführt werden soll, nachdem T-Online integriert ist.
Kosteneffizienz ist ein weiterer Schwerpunkt der Offensiven für mehr intelligente Integration. So sollen u. a. die internen IT-Kosten weiter gesenkt werden. Tief greifende Veränderungen, die das neue IP-Netz mit sich bringen wird, werden ebenfalls zu sinkenden Kosten führen. Bis zu 30 Prozent sind hier langfristig zu erwarten.
Schließlich hat der Kulturwandel eine konsequent gelebte und wahrgenommene Servicekultur zum Ziel. Marktforschungen zeigen, dass die Kundenzufriedenheit stetig und konstant steigt - beim Service, im T-Punkt oder an den Hotlines. Dazu beigetragen haben u. a. die ersten Kundenversprechen. Hierzu präsentierte Ricke nun die zweite Welle der Kundenversprechen. So können künftig alle bei der Telekom gekauften Produkte auf Wunsch auch beim Kunden zu Hause installiert werden. Die T-Punkte bieten eine kostenlose Lieferung nach Hause innerhalb von zwei Tagen an.
Portfolioentwicklung Die europäischen Staaten, in denen die Deutsche Telekom bereits vertreten ist, und Nordamerika sind die Präsenzmärkte, in denen der Konzern seine Marktposition stärken will. Angestrebt werden führende Positionen gemessen am Umsatzmarktanteil. Größe ist dabei wichtig, weil Skalenvorteile realisiert werden können. "Wir werden im europäischen Konsolidierungsprozess eine aktive Rolle spielen", betonte Ricke. Die Deutsche Telekom werde aber nur Käufe tätigen, wenn sie wertsteigernd für den Konzern seien. "Die Kapitalrendite einer Investition ist für uns das Entscheidungskriterium im Rahmen des strategischen Portfolio-Managements."
Finanzstrategie Oberstes Ziel der Finanzstrategie ist es, den Wert des Unternehmens zu steigern und eine attraktive Dividendenpolitik zu bieten. Dabei sollen die Finanzrelationen in den definierten, strategisch und betriebswirtschaftlich sinnvollen Bandbreiten bleiben. So soll das Verhältnis zwischen Nettoverschuldung und EBITDA zwischen 2 und 3 liegen. Die Zinsdeckung (Interest Coverage) ist mit größer 6 angesetzt und das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital (Gearing) mit 0,8 bis 1,2. Bei der Eigenkapitalquote lautet die Größenordnung 25 bis 35 Prozent. Die Liquiditätsreserve soll 40 Prozent betragen. Das Rating wird im Bereich A- gesehen.
Die Deutsche Telekom werde auch weiterhin hart daran arbeiten, ihre Leistungsstärke zu erhalten und zu steigern - im Interesse des Unternehmens, und damit natürlich der Aktionäre und Mitarbeiter, so Ricke. "Deutschland braucht eine starke Deutsche Telekom, um im Informationszeitalter eine führende Rolle unter den Industrienationen zu behalten. Dazu bekennen wir uns und dazu wollen wir einen Beitrag leisten."