"Kein verstecktes Tracking bei der Telekom"

Dieser Fund sorgte für Aufsehen: Wissenschaftler hatten 100.000 Websites untersucht und bei einigen eine neue, hartnäckige Tracking-Technologie nachgewiesen. Damit können Unternehmen nachverfolgen, welche Internetseiten ein Nutzer besucht - ohne dass er es verhindern kann. Auch t-online.de war vorübergehend betroffen. Der Konzerndatenschutzbeauftragte Claus-Dieter Ulmer erläutert, was da vor sich ging.

Werbetreibende werten mit einem neuen Verfahren namens Canvas Fingerprinting aus, wie sich Surfer im Netz bewegen. Websites werden damit ausgestattet, so geschehen auch bei t-online.de. Was hat die Telekom denn damit zu tun?

Claus-Dieter Ulmer: Ein Telekom-Dienstleister hatte das ohne unser Wissen auf t-online.de eingesetzt - vorübergehend zu Forschungszwecken, wie er erklärte. Auch seien keine personenbezogenen Daten erhoben worden. Dennoch für uns ein riesiger Vertrauensbruch. Die Kollegen des Portals t-online.de haben die Zusammenarbeit direkt beendet. Auch die Kollegen des Internet-Vertriebs haben das Ausliefern von Werbung durch den Dienstleister auf anderen Webseiten umgehend gestoppt. Wir lassen solche Methoden bei uns nicht zu - es darf kein verstecktes Tracking bei der Telekom geben. Darauf haben wir alle, die mit Online-Werbung zu tun haben, hingewiesen. Wir haben zudem sichergestellt, dass auch keine anderen Dienstleister das Verfahren anwenden.

Was macht das Canvas Fingerprinting so heikel?

Claus-Dieter Ulmer: Der Nutzer kann der Methode nicht widersprechen. Anders als bei herkömmlichen Cookies kann er nicht beeinflussen, dass seine Aktivitäten nachverfolgt werden. Diese Technologie entspricht nicht unseren datenschutzrechtlichen Anforderungen im Konzern und ist zudem aus unserer Sicht nicht mit dem deutschen und europäischen Datenschutzrecht vereinbar.

Wie kann ich mich denn als Internetnutzer vor der neuen Verfolgungstechnik schützen?

Claus-Dieter Ulmer: Ohne tiefes technisches Know-how leider gar nicht. Eine sinnvolle Schutzmöglichkeit gibt es heute nicht. Eine effektive Methode wäre, Javascript abzuschalten. Aber das führte dazu, dass quasi keine Seite aus dem Internet mehr richtig angezeigt würde. Deshalb ist die Canvas-Technik aus unserer Sicht inakzeptabel: Nutzer müssen in jedem Fall die nötige Transparenz haben und die Technik auf Wunsch ausschalten können.

Die Telekom bietet ja nicht nur t-online.de an, sondern noch weitere Websites. Können Sie garantieren, dass in Sachen Canvas Fingerprinting auch künftig alles sauber ist?

Claus-Dieter Ulmer: Ich gehe davon aus, dass sich die Dienstleister strikt an unsere Anweisung halten, und wir prüfen das auch. Wir haben uns als Vorreiter in Sachen Datenschutz und IT-Sicherheit positioniert und werden unseren guten Ruf nicht riskieren. Vor kurzem hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach gezeigt, dass die Kunden uns weiterhin deutlich mehr vertrauen, als unseren Wettbewerbern: 46 Prozent der Kunden halten uns für ein vertrauenswürdiges Unternehmen - damit liegen wir 22 Prozentpunkte vor Microsoft, Apple und Vodafone. Dieses Vertrauen wollen wir weiter ausbauen.