Klarheit beim CO₂-Fußabdruck: Wie die Telekom Produktemissionen misst
Der neue „Product Emissions Calculator“ ist einsatzbereit. Was das Tool kann und was es bringt, erklärt Robert Metzke, Leiter Unternehmensverantwortung.
Der neue „Product Emissions Calculator“ ist einsatzbereit. Was das Tool kann und was es bringt, erklärt Robert Metzke, Leiter Unternehmensverantwortung.
Warum braucht die Telekom einen Product Emissions Calculator?
Robert Metzke: Wer Emissionen reduzieren will, muss wissen, wo sie entstehen. Bisher waren CO₂-Daten auf Produkt- und Serviceebene häufig nicht verfügbar oder durch unterschiedliche Berechnungsmethoden nur eingeschränkt vergleichbar. Hier setzt der Product Emissions Calculator an: Er schafft eine konzernweit einheitliche Grundlage, um den CO₂-Fußabdruck einzelner Produkte und Services systematisch zu berechnen und zu dokumentieren.
Klingt nach viel Messen. Spart das Tool selbst auch CO₂ ein?
Robert Metzke: Nein. Ein Berechnungstool reduziert noch keine Emissionen – genauso wenig, wie ein Thermometer Fieber heilt. Aber ohne verlässliche Messwerte lässt sich nur schwer gezielt handeln.
Der Product Emissions Calculator zeigt, an welchen Stellen eines Produktlebenszyklus besonders viele Treibhausgasemissionen entstehen. Diese Transparenz kann dabei helfen, Materialien anders auszuwählen, mit Lieferanten über emissionsärmere Lösungen zu sprechen oder Produkte und Services effizienter zu gestalten, um Emissionen zu verringern. Die Messung ersetzt also nicht die Transformation. Sie schafft eine wichtige Grundlage dafür.
Wie passt das Tool zur Nachhaltigkeitsstrategie der Telekom?
Robert Metzke: Wir wollen Nachhaltigkeit nicht nur transparent berichten, sondern stärker in unternehmerische Entscheidungen integrieren. Dafür brauchen wir belastbare und vergleichbare Daten.
Der Product Emissions Calculator kann die Produktentwicklung, den Einkauf, die Zusammenarbeit mit Lieferanten und das Portfoliomanagement unterstützen. Er hilft, Emissionsschwerpunkte auf Produktebene zu identifizieren und mögliche Reduktionsmaßnahmen gezielter zu bewerten. Damit leistet das Tool auch einen Beitrag zu unserem nächsten konzernweiten Klimaziel, die Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber 2020 um 55 Prozent über die gesamte Wertschöpfungskette zu reduzieren. Nach der bilanziellen Klimaneutralität im eigenen Betrieb müssen jetzt wir noch stärker an die Emissionen aus der Produktions- und Nutzungsphase ran.
Wie belastbar sind die Ergebnisse?
Robert Metzke: Die Berechnungen basieren nicht auf einer frei entwickelten Telekom-Logik. Wir orientieren uns an der international anerkannten Norm ISO 14067 für die Quantifizierung des CO₂-Fußabdrucks von Produkten. Der TÜV Rheinland hat den zugrunde liegenden Berechnungsprozess validiert. Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal, denn wir sind damit derzeit der einzige Netzbetreiber am Markt.
Wie aussagekräftig ein einzelner Produktfußabdruck ist, hängt allerdings immer auch von der Qualität und Verfügbarkeit der verwendeten Daten ab. Deshalb weisen wir Datenquellen, Annahmen und Berechnungsgrenzen transparent aus.
Wie funktioniert die Berechnung konkret?
Robert Metzke: Wir betrachten den Lebenszyklus eines Produkts oder Services Schritt für Schritt. Dazu gehört unter anderem die Gewinnung der Rohstoffe, die Herstellung, der Transport, die Nutzung und Entsorgung, das Recycling oder die Wiederaufbereitung. Für die einzelnen Lebenszyklusphasen wird berechnet, wie viele Treibhausgasemissionen entstehen. Diese Werte führen wir anschließend zu einem Product Carbon Footprint zusammen.
Hand aufs Herz: Ist das ein Nachhaltigkeitsprojekt – oder geht es um Kundenanforderungen und Ausschreibungen?
Robert Metzke: Es geht um beides. Geschäftskunden fragen zunehmend nach konkreten CO₂-Daten zu Produkten und Services – etwa für ihre eigene Klimabilanz, ihre Einkaufsentscheidungen oder Ausschreibungen. Gleichzeitig steigen regulatorische Anforderungen, und auch innerhalb der Telekom wächst der Bedarf an besseren Entscheidungsgrundlagen.
Der Calculator hilft uns deshalb sowohl dabei, Kundenanforderungen fundierter zu beantworten, als auch unsere eigenen Produkte und Services gezielter unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten weiterzuentwickeln.
Wo wird der Product Emissions Calculator bereits eingesetzt?
Robert Metzke: Mit dem Tool wurden bereits der CO₂-Fußabdruck der T Cloud Public sowie die Emissionen des T Phone 3, des T Phone 3 Pro und des T Tablet berechnet. Nach und nach erweitern wir die Transparenz über besonders relevante Produkte, Services und Infrastrukturen.
Was ist die wichtigste Botschaft hinter dem Product Emissions Calculator?
Robert Metzke: Das Tool hilft uns, Emissionen besser zu verstehen und zu belegen. Aber Transparenz und Messbarkeit sind nicht das eigentliche Ziel. Entscheidend ist, welche Konsequenzen wir aus den Ergebnissen ziehen: Welche Materialien können wir verändern? Wo können Lieferanten Emissionen reduzieren? Welche Produkte oder Prozesse können wir effizienter gestalten?
Am Ende geht es nicht um die Zahl im Calculator, sondern um die tatsächliche Reduktion von Treibhausgasemissionen.
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