Nachhaltigkeit wirkt dort, wo Entscheidungen getroffen werden

Nach einem Jahr bei der Deutschen Telekom übernimmt Robert Metzke die Rolle des Chief Sustainability Officer (CSO). Künftig berichtet er direkt an den Vorstandsvorsitzenden Tim Höttges und erklärt, wie Nachhaltigkeit noch enger mit Unternehmensführung und Kerngeschäft verbunden wird.

Robert Metzke, Chief Sustainability Officer
Robert Metzke, Chief Sustainability Officer: “Nachhaltigkeit muss im Kerngeschäft wirken.“ © Deutsche Telekom AG

Die Botschaft hinter diesem Schritt ist für mich klar: Nachhaltigkeit gehört dorthin, wo wir die Zukunft unseres Unternehmens gestalten – in die Unternehmenssteuerung und ins Kerngeschäft. Mit meiner neuen Rolle machen wir das auch organisatorisch sichtbar.

Dabei starten wir nicht bei null. Die Telekom beschäftigt sich seit mehr als 30 Jahren mit ökologischer und gesellschaftlicher Verantwortung. Wir haben klare Ziele definiert, Strukturen aufgebaut und messbare Fortschritte erreicht. Ende 2025 haben wir unser Klimaziel für den eigenen Betrieb erreicht und unsere Scope-1- und Scope-2-Emissionen gegenüber 2017 um mehr als 94 Prozent reduziert. Die verbleibenden Emissionen gleichen wir mit hochwertigen Projekten zur Bindung von Treibhausgasen aus.

Darauf können wir aufbauen. Gleichzeitig verändert sich das Umfeld, in dem wir unternehmerische Entscheidungen treffen, fundamental. Klimafolgen, geopolitische Spannungen, volatile Lieferketten und knapper werdende Ressourcen treffen auf eine sehr schnelle technologische Entwicklung und gesellschaftlichen Wandel. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eröffnen enorme Möglichkeiten. Es entstehen ganz neue Fragen zu Resilienz, Ressourcen, Souveränität und Vertrauen.

All diese Faktoren beeinflussen unsere langfristige Fähigkeit, als Unternehmen erfolgreich zu sein. Nachhaltigkeit gehört deshalb in die Entscheidungen, mit denen wir unser Geschäft gestalten.

Vom Nachhaltigkeitsprogramm zur Entscheidungslogik

Ich sehe unseren Auftrag darin, Nachhaltigkeit bei der Telekom noch stärker als Teil unserer normalen Unternehmenssteuerung zu etablieren. Für mich zählt am Ende, ob Nachhaltigkeit unsere Entscheidungen besser macht. Das gilt bei Investitionen genauso wie bei Technologie, Produkten, Einkauf oder Risikomanagement. Unternehmenssteuerung braucht dabei beides: belastbare Informationen darüber, was bereits geschehen ist und einen vorausschauenden Blick auf das, was kommt. Genau diesen Blick wollen wir stärken.

Welche Veränderungen zeichnen sich ab? Was bedeuten sie für unser Geschäft? Wo entstehen Risiken und wo neue Chancen? Wie übersetzen wir gesellschaftliche Erwartungen, technologische Entwicklungen und ökologische Grenzen in konkrete unternehmerische Entscheidungen?

Darauf Antworten zu finden, ist die zentrale Aufgabe der Nachhaltigkeitsfunktion. Ihre Wirkung zeigt sich, wenn ein Geschäftsbereich eine bessere Entscheidung trifft, wenn wir Risiken früher erkennen oder wenn neue Lösungen entstehen, die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wert miteinander verbinden.

„Connecting your world“ ist unser Kompass

Unser gesellschaftlicher Beitrag ist eng mit unserem Geschäftsmodell verbunden. Wir verbinden Menschen, Unternehmen und Organisationen und schaffen damit Voraussetzungen für digitale Teilhabe. Wenn Netze verfügbar, sicher und zugänglich sind, können Menschen lernen, arbeiten, kommunizieren und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Unternehmen können neue Geschäftsmodelle entwickeln. Kritische Dienste bleiben auch unter schwierigen Bedingungen erreichbar.

Das ist für mich ein Kern von Sustainable Business: Gesellschaftlicher Nutzen und wirtschaftlicher Erfolg können aus derselben Leistung entstehen. Ein leistungsfähiges Netz schafft Teilhabe – und ist zugleich Grundlage für Kundenzufriedenheit, Wachstum und langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Vertrauen in unsere Technologien und in unseren Umgang mit Verantwortung stärkt gesellschaftliche Akzeptanz und Kundenbeziehungen.

Deshalb sollten wir Nachhaltigkeit konsequent dort denken, wo unser Geschäft Wirkung entfaltet. Unser Anspruch sollte sein, mit den Fähigkeiten unseres Kerngeschäfts zugleich einen gesellschaftlichen Beitrag und langfristigen wirtschaftlichen Wert zu schaffen.

Souveränität und Resilienz werden wichtiger

Nachhaltigkeit dient für mich auch zu, die langfristige Handlungsfähigkeit der Telekom zu sichern.

In diesem Zusammenhang heißt Souveränität, Wahlmöglichkeiten zu erhalten und Abhängigkeiten bewusst zu steuern. Das schafft die Voraussetzung, Partnerschaften aus einer Position eigener Handlungsfähigkeit zu gestalten. Resilienz bedeutet, auch unter schwierigen Bedingungen leistungsfähig zu bleiben. Das betrifft unsere Infrastruktur ebenso wie Lieferketten, Energieversorgung, Rohstoffe und technologische Fähigkeiten. Auch Kreislaufwirtschaft gewinnt dadurch eine zusätzliche strategische Dimension. Sie verbindet Ressourceneffizienz mit Rohstoffsicherheit, robusteren Lieferketten und langfristiger Wertschöpfung.

Verantwortungsvolle Digitalisierung wird zum Prüfstein

Besonders deutlich wird diese Verbindung bei der Künstlichen Intelligenz.

KI bietet enorme Chancen. Wir sollten sie dort skalieren, wo sie konkreten Nutzen schafft. Mit zunehmender Skalierung werden zugleich belastbare Voraussetzungen wichtiger: Sicherheit, Transparenz, menschliche Kontrolle sowie Energie- und Ressourceneffizienz. Dauerhafter wirtschaftlicher Wert entsteht, wenn Menschen, Kunden und Gesellschaft darauf vertrauen können, wie Technologie entwickelt und eingesetzt wird.

Verantwortungsvolle Digitalisierung schafft damit eine Voraussetzung für Innovation in großem Maßstab. Als Telekom sollten wir ein klares eigenes Zielbild dafür entwickeln, wie Technologie sicher, sozial verantwortlich und ökologisch tragfähig eingesetzt werden kann.

Unser gesellschaftlicher Beitrag ist unser Kerngeschäft

Das gilt ebenso für den gesellschaftlichen Beitrag der Telekom. Unser größter Hebel liegt im Kerngeschäft: bei digitaler Teilhabe, beim Schutz unserer Kunden und beim Vertrauen in digitale Technologien.

Künftig sollten wir noch klarer benennen, welche Geschäftsentscheidungen diese Wirkung beeinflussen und wer dafür Verantwortung trägt. So wird unser „Social Impact“ systematisch Teil von Produkt-, Technologie- und Geschäftsentscheidungen.

Jetzt kommt es auf die Umsetzung an

In meiner neuen Rolle möchte ich vor allem Verbindungen schaffen: zwischen Nachhaltigkeit und Strategie, Technologie und Verantwortung, Einkauf und Lieferketten sowie Produkten und gesellschaftlicher Wirkung. Dafür brauchen wir keine zusätzlichen Parallelstrukturen. Wir wollen Nachhaltigkeit stärker in die bestehenden Prozesse der Telekom integrieren – in Planung, Investitionsentscheidungen, Produktentwicklung, Einkauf und Risikomanagement.

Ein Punkt ist mir dabei besonders wichtig: Die Endverantwortung für die Ergebnisse liegt im Geschäft. Die Nachhaltigkeitsfunktion schafft Orientierung, bringt Expertise ein, macht Zusammenhänge transparent und unterstützt bessere Entscheidungen.

Die kommenden Monate und das Jahr 2027 werden deshalb vor allem der Weichenstellung und operationellen Verankerung dienen. Wir wollen ein gemeinsames Verständnis schaffen, Verantwortlichkeiten schärfen und unsere strategischen Prioritäten enger mit den Entscheidungsprozessen der Telekom verbinden. Danach geht es um Integration und Skalierung. Was funktioniert, soll in der Organisation breit Wirkung entfalten. Unser Ziel ist, dass relevante Nachhaltigkeitsaspekte selbstverständlich Bestandteil guter unternehmerischer Entscheidungen werden.

Das ist mein persönlicher Anspruch als Chief Sustainability Officer: Nachhaltigkeit als strategische Managementdisziplin zu verankern – für langfristige Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und verantwortungsvolle Digitalisierung. Unser Maßstab sind dabei bessere Entscheidungen, bessere Produkte, robustere Systeme und die Fähigkeit, auch langfristig erfolgreich Wert zu schaffen.

Denn genau dort wirkt Nachhaltigkeit.

Über Robert Metzke:
Robert Metzke ist Chief Sustainability Officer der Deutschen Telekom. Er will Nachhaltigkeit noch stärker mit dem Kerngeschäft und der Unternehmenssteuerung verbinden. Sein Ansatz verbindet gesellschaftlichen Nutzen, Resilienz und langfristige wirtschaftliche Wertschöpfung. Seine Überzeugung: Nachhaltigkeit ist kein Programm neben dem Geschäft, sondern Teil guter Unternehmenssteuerung. Sein Credo: Nachhaltigkeit muss wirken.